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03.11.2026

BGM-Jahresplanung 2027: So plant ihr euer Gesundheitsjahr mit Budget, Kalender und Förderung

Eine BGM-Jahresplanung legt fest, welche Gesundheitsziele ein Unternehmen im kommenden Jahr verfolgt, mit welchen Formaten es sie erreicht und wie Budget und Förderung verteilt werden. Idealerweise beginnt sie im vierten Quartal, wenn die Budgets für das neue Jahr entstehen. Steht das Budget schon, geht es zu Jahresbeginn darum, es sinnvoll auf Ziele und Formate zu verteilen. Für 2027 lohnt sich ein klarer Fokus auf mentale Gesundheit, denn psychisch bedingte Fehlzeiten sind laut Fehlzeiten-Report 2026 in zehn Jahren um rund 42 Prozent gestiegen.

Autorenfoto von Isabel Voß
Paula Menninghaus
Paula ist CEO und Co-Founderin von Strong Partners GmbH sowie TEDx-Speakerin mit über 50 Keynotes zu Resilienz, BGM-Strategie und Führung. Ihre Perspektive auf betriebliches Gesundheitsmanagement ist geprägt durch 8 Jahre Einsatzerfahrung als Rettungssanitäterin. Ausgezeichnet mit dem RX Female Award 2024 und dem Women in Business Leadership Award 2025.
HR-Team plant auf einem Zettel die BGM-Maßnahmen für das Jahr 2027

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen sind bei AOK-versicherten Beschäftigten von 2016 bis 2025 um rund 42 Prozent gestiegen, eine Krankschreibung dauerte im Schnitt 28,5 Tage (Fehlzeiten-Report 2026).
  • Die Fehlzeiten insgesamt gingen 2025 und im ersten Halbjahr 2026 leicht zurück, psychisch bedingte Ausfälle bleiben aber besonders lang.
  • Arbeitgeber können nach § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro Beschäftigten und Kalenderjahr steuer- und sozialversicherungsfrei für zertifizierte Gesundheitsmaßnahmen einsetzen.
  • Krankenkassen unterstützen betriebliche Gesundheitsförderung nach § 20b SGB V, einen Anspruch auf eine bestimmte Förderhöhe gibt es nicht.

Im vierten Quartal entscheiden viele Unternehmen, wofür sie im nächsten Jahr Geld ausgeben. Wer das betriebliche Gesundheitsmanagement in dieser Phase nicht mitplant, bekommt im Frühjahr oft nur noch Restbudgets und kurzfristige Einzelaktionen. Eine durchdachte Jahresplanung sorgt dafür, dass Maßnahmen aufeinander aufbauen, Förderwege genutzt werden und das Gesundheitsangebot für die Belegschaft verlässlich sichtbar bleibt. Wie BGM grundsätzlich aufgebaut ist, erklärt unser Leitfaden zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Planung des kommenden Jahres.

Warum sich eine BGM-Jahresplanung lohnt

Einzelne Gesundheitsaktionen haben oft eine kurze Wirkung. Ein Gesundheitstag im März sorgt für Aufmerksamkeit, wenn danach aber monatelang nichts passiert, verpufft der Effekt. Eine Jahresplanung verbindet einzelne Formate zu einem roten Faden, den Beschäftigte wiedererkennen.

Dazu kommt der Blick auf die Zahlen. Laut Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK stiegen die Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen von 284 Tagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 Tage im Jahr 2025. Mit durchschnittlich 28,5 Tagen je Fall dauern psychisch bedingte Ausfälle deutlich länger als etwa Atemwegserkrankungen mit 5,7 Tagen. Die Fehlzeiten insgesamt gingen 2025 und im ersten Halbjahr 2026 zwar leicht zurück, lange Ausfälle durch psychische Belastungen bleiben aber ein zentrales Planungsthema.

Auch finanziell zahlt sich Planung aus. Der Steuerfreibetrag nach § 3 Nr. 34 EStG gilt pro Kalenderjahr. Wer Maßnahmen erst im Dezember beginnt, verschenkt einen großen Teil des möglichen Rahmens.

BGM-Jahresplanung 2027: Die Bausteine

Eine gute Jahresplanung beantwortet sechs Fragen: Was hat 2026 funktioniert? Was braucht die Belegschaft? Welche Ziele setzen wir? Mit welchen Formaten? Mit welchem Budget? Und wer kümmert sich darum?

Bilanz aus 2026 ziehen

Am Anfang steht ein ehrlicher Rückblick. Welche Angebote wurden gut angenommen, welche kaum? Wie hoch waren die Teilnahmequoten, und wie haben sich Krankenstand und Rückmeldungen entwickelt? Welche Kennzahlen sich dafür eignen, zeigt unser Artikel zu BGM-Kennzahlen. Genauso wichtig ist die Frage, wen ihr bisher nicht erreicht habt, etwa Schichtbeschäftigte, Außendienst oder bestimmte Altersgruppen.

Bedarf in der Belegschaft ermitteln

Die besten Ideen nützen wenig, wenn sie an der Belegschaft vorbeigehen. Eine kurze Mitarbeiterbefragung oder die Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung zeigen, wo der Schuh drückt. Besonders praktisch ist eine anonyme Abstimmung über mögliche Themen. So seht ihr vorab, welche Angebote auf Interesse stoßen, und bekommt ein Gefühl für die zu erwartende Teilnahme.

Ziele und Schwerpunkte festlegen

Bewährt hat sich ein Fokus auf zwei bis drei Schwerpunkte für das Jahr. Für 2027 bietet sich mentale Gesundheit als ein Schwerpunkt an, ergänzt etwa um Bewegung und Rückengesundheit oder Ernährung. Rückenwind dafür gibt die europäische Kampagne zu psychosozialen Risiken, die wir in unserem Artikel zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz einordnen. Formuliert die Ziele möglichst konkret, zum Beispiel eine bestimmte Teilnahmequote oder ein Angebot, das alle Standorte erreicht.

Formate passend zu den Zielen wählen

Jedes Format erfüllt eine andere Aufgabe. Eine Keynote schafft Aufmerksamkeit für ein Thema, ein Workshop vermittelt Werkzeuge, ein Gesundheitstag erreicht viele Menschen auf einmal, und regelmäßige Formate wie die Bewegte Pause oder Firmenfitness verankern Gesundheit im Alltag. Welches Format zu welchem Ziel passt, zeigt unser Formatvergleich. Für eine Jahresplanung bewährt sich die Kombination aus einem sichtbaren Auftakt und regelmäßigen Angeboten, die das Thema über Monate tragen.

Budget planen und Förderung nutzen

Für das Budget gibt es zwei wichtige Stellschrauben. Nach § 3 Nr. 34 EStG können Arbeitgeber bis zu 600 Euro pro Beschäftigten und Kalenderjahr steuer- und sozialversicherungsfrei für Gesundheitsmaßnahmen einsetzen, wenn diese zusätzlich zum Lohn gewährt werden und die Qualitätskriterien nach §§ 20 und 20b SGB V erfüllen. Außerdem unterstützen Krankenkassen betriebliche Gesundheitsförderung nach § 20b SGB V, die Höhe wird dabei individuell vereinbart. Für kleine und mittlere Unternehmen bieten die BGF-Koordinierungsstellen der Krankenkassen zusätzlich eine kostenfreie Beratung an. Alle Förderwege im Detail findet ihr in unserem Überblick zur BGM-Förderung.

Verantwortung und Kommunikation klären

Eine Planung wirkt nur, wenn klar ist, wer sie umsetzt. Legt fest, wer im Unternehmen für das BGM verantwortlich ist, wie Führungskräfte eingebunden werden und über welche Kanäle ihr Angebote ankündigt. Ein fester Gesundheitskalender im Intranet oder ein monatlicher Hinweis im internen Newsletter sorgt dafür, dass Beschäftigte die Angebote kennen und einplanen können.

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Jahreskalender 2027: BGM Quartal für Quartal

Aktionstage und Jahreszeiten liefern gute Anlässe, um Themen sichtbar zu machen. Die folgende Übersicht zeigt, wie sich ein Gesundheitsjahr gliedern lässt.

BGM-Jahreskalender 2027

QuartalAnlässeFormatideen
Q1Jahresstart, Tag der Rückengesundheit am 15. MärzAuftakt-Keynote, Themenabfrage in der Belegschaft, Rücken-Workshop
Q2Weltgesundheitstag am 7. April, Welttag für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit am 28. April, Men's Health Week im JuniGesundheitstag, Bewegte Pause, Outdoor-Formate
Q3Sommer und Hitze, Ausbildungsstart im August und SeptemberAzubi-Gesundheitstag, Hitzeschutz-Impulse, Teamevent
Q4Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober, Movember, Weltdiabetestag am 14. November, JahresabschlussMental-Health-Keynote, Gesundheitswoche, aktive Weihnachtsfeier, Planung für 2028

Der Kalender ist eine Orientierung. Entscheidend ist, dass die Anlässe zu euren Schwerpunkten passen. Ein Unternehmen mit vielen Auszubildenden plant das dritte Quartal anders als eine Verwaltung mit überwiegend Büroarbeitsplätzen.

Häufige Fehler bei der BGM-Planung

Viele Planungen scheitern an denselben Punkten. Oft werden Maßnahmen als einzelne Events gedacht, ohne dass sie aufeinander aufbauen. Ebenso häufig wird das Budget erst spät im Jahr freigegeben, sodass der steuerfreie Rahmen und die Zeit für eine Förderung durch die Krankenkasse nicht mehr ausreichen. Ein weiterer Stolperstein ist fehlende Auswertung. Ohne Teilnahmezahlen und Rückmeldungen lässt sich im nächsten Jahr kaum entscheiden, was weitergeführt werden sollte. Und schließlich bleiben Führungskräfte häufig außen vor, obwohl ihr Vorbild maßgeblich bestimmt, ob Angebote angenommen werden.

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Fazit: Jetzt planen, 2027 gesund starten

Eine BGM-Jahresplanung macht aus einzelnen Aktionen ein Gesundheitsangebot mit rotem Faden. Wer jetzt eine Bilanz aus 2026 zieht, den Bedarf der Belegschaft kennt, zwei bis drei Schwerpunkte setzt und Budget sowie Förderung früh klärt, hat im neuen Jahr die besten Voraussetzungen. Angesichts der steigenden psychisch bedingten Fehlzeiten lohnt es sich, mentale Gesundheit 2027 fest einzuplanen. Der nächste Schritt ist, die Planung jetzt anzustoßen, ob in den laufenden Budgetgesprächen oder bei der Verteilung eines bereits freigegebenen Budgets zu Jahresbeginn.

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Häufige Fragen zur BGM-Jahresplanung

Wann sollte man das BGM für das nächste Jahr planen?

Der beste Zeitpunkt ist das vierte Quartal, wenn in vielen Unternehmen die Budgets für das kommende Jahr entstehen. Wer die BGM-Planung in diese Gespräche einbringt, sichert sich ein festes Budget statt Restmitteln. Außerdem bleibt genug Vorlauf, um Förderung bei Krankenkassen anzufragen und Termine für das erste Quartal zu buchen. Spätestens im Januar sollte die Planung stehen.

Wie viel Budget sollte man für BGM einplanen?

Eine feste Summe gibt es nicht, das Budget hängt von Unternehmensgröße, Zielen und Formaten ab. Eine Orientierung bietet der Steuerfreibetrag nach § 3 Nr. 34 EStG, der bis zu 600 Euro pro Beschäftigten und Kalenderjahr steuer- und sozialversicherungsfrei ermöglicht. Zusätzlich können Krankenkassen Maßnahmen nach § 20b SGB V unterstützen. Sinnvoll ist ein Budget, das einen Auftakt und regelmäßige Angebote über das Jahr abdeckt.

Welche Förderung gibt es für betriebliches Gesundheitsmanagement?

Arbeitgeber können Gesundheitsmaßnahmen nach § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro Beschäftigten und Jahr steuerfrei anbieten, sofern die Leistungen zusätzlich zum Lohn gewährt werden und zertifiziert sind. Krankenkassen unterstützen betriebliche Gesundheitsförderung nach § 20b SGB V, die Höhe wird individuell vereinbart. Kleine und mittlere Unternehmen können sich kostenfrei bei den BGF-Koordinierungsstellen beraten lassen. Eine frühe Planung erleichtert die Abstimmung mit der Krankenkasse.

Wie ermittelt man den BGM-Bedarf im Unternehmen?

Gute Grundlagen sind eine kurze Mitarbeiterbefragung, die Ergebnisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung und Kennzahlen wie Krankenstand oder Teilnahmequoten. Besonders praktisch ist eine anonyme Abstimmung über mögliche Themen. Sie zeigt vorab, welche Angebote auf Interesse stoßen. Wichtig ist auch der Blick auf Gruppen, die bisher kaum erreicht wurden.

Welche Aktionstage eignen sich für die BGM-Planung 2027?

Gut nutzbar sind zum Beispiel der Tag der Rückengesundheit am 15. März, der Weltgesundheitstag am 7. April, der Welttag für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit am 28. April, der Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober und der Weltdiabetestag am 14. November. Im November kommen Movember und Weltmännertag für das Thema Männergesundheit hinzu. Entscheidend ist, dass die Anlässe zu den eigenen Schwerpunkten passen.

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