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27.11.2025

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Der vollständige Leitfaden für Unternehmen

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist ein systematischer Ansatz, mit dem Unternehmen die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Bindung ihrer Mitarbeitenden fördern. Es beruht auf drei Säulen: Arbeits- und Gesundheitsschutz, Betriebliches Eingliederungsmanagement und Betriebliche Gesundheitsförderung. Die ersten beiden sind gesetzlich vorgeschrieben, die Gesundheitsförderung ist freiwillig und kann nach § 20b SGB V gemeinsam mit Krankenkassen umgesetzt werden, wenn sie in einen strukturierten Prozess eingebunden ist.

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Paula Menninghaus
Paula ist CEO und Co-Founderin von Strong Partners GmbH sowie TEDx-Speakerin mit über 50 Keynotes zu Resilienz, BGM-Strategie und Führung. Ihre Perspektive auf betriebliches Gesundheitsmanagement ist geprägt durch 8 Jahre Einsatzerfahrung als Rettungssanitäterin. Ausgezeichnet mit dem RX Female Award 2024 und dem Women in Business Leadership Award 2025.
Steuerkreis aus Geschäftsführung, HR und Mitarbeitendenvertretung plant das betriebliche Gesundheitsmanagement

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Krankenstand lag 2025 laut DAK-Gesundheit bei 5,4 Prozent, Beschäftigte waren im Schnitt 19,5 Kalendertage krankgeschrieben.
  • Psychisch bedingte Fehltage stiegen laut Fehlzeiten-Report 2026 bei AOK-Mitgliedern zwischen 2016 und 2025 um knapp 42 Prozent.
  • Die Produktionsausfallkosten durch Arbeitsunfähigkeit lagen 2024 laut BAuA rechnerisch bei rund 152 Euro je Ausfalltag.
  • Isolierte Einzelmaßnahmen externer Anbieter sind laut GKV-Leitfaden Prävention von der Förderung ausgeschlossen. Gefördert wird Gesundheitsförderung als Prozess.

Der Krankenstand in Deutschland lag 2025 laut DAK-Gesundheit bei 5,4 Prozent, Beschäftigte fehlten im Schnitt 19,5 Tage. Gleichzeitig erwarten laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 83 Prozent der Unternehmen negative Folgen durch den Fachkräftemangel. Beide Entwicklungen treffen sich an derselben Stelle, denn Unternehmen können es sich immer weniger leisten, dass Mitarbeitende ausfallen oder gehen. Dieser Leitfaden erklärt, was betriebliches Gesundheitsmanagement ist, welche Säulen und Handlungsfelder dazugehören, was es kostet, wie die Förderung funktioniert und wie du BGM Schritt für Schritt einführst.

Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement?

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist die systematische Steuerung aller Aktivitäten, mit denen ein Unternehmen die Gesundheit seiner Beschäftigten schützt und fördert. Systematisch heißt, dass Maßnahmen auf einer Analyse beruhen, in feste Strukturen eingebunden sind und regelmäßig ausgewertet werden. In der Praxis begegnen dir dafür auch Begriffe wie Unternehmensgesundheit, Gesundheitsmanagement in Unternehmen oder betriebliches Gesundheitswesen. Gemeint ist im Kern dasselbe.

Ziele von BGM sind gesündere Arbeitsbedingungen, weniger Fehlzeiten und Präsentismus, eine höhere Leistungsfähigkeit und eine stärkere Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen. BGM richtet sich dabei gleichermaßen an die Verhältnisse, also Arbeitsorganisation, Führung und Arbeitsumgebung, und an das Verhalten der einzelnen Beschäftigten.

Warum betriebliches Gesundheitsmanagement 2026 strategisch ist

Drei Entwicklungen machen Gesundheit zur Führungsaufgabe. Die erste betrifft die Fehlzeiten. Psychische Erkrankungen verursachten 2025 laut DAK-Gesundheit 366 Fehltage je 100 Versicherte, 6,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Fehlzeiten-Report 2026 des WIdO zeigt für AOK-Mitglieder einen Anstieg der psychisch bedingten Fehltage um knapp 42 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Was hinter diesen Zahlen steckt, beschreibt unser Leitfaden zur mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz.

Die zweite Entwicklung betrifft die Bindung. Der Gallup Engagement Index 2025 beziffert den Produktivitätsverlust durch innere Kündigung auf 119 bis 142 Milliarden Euro jährlich. Beschäftigte mit hoher emotionaler Bindung fehlten 2025 im Schnitt 5,6 Tage, Beschäftigte ohne Bindung 9,7 Tage. Gesundheit und Bindung sind damit eng miteinander verknüpft.

Die dritte Entwicklung ist für Fehlzeitenstatistiken unsichtbar. Laut einer Befragung des DGB-Index Gute Arbeit von 2025 gaben 44 Prozent der Beschäftigten an, eine Woche oder länger krank gearbeitet zu haben. Dieser Präsentismus kostet Leistung und verlängert Krankheitsverläufe, wie unser Beitrag zu Präsentismus zeigt.

Die 3 Säulen des betrieblichen Gesundheitsmanagements

BGM wird oft mit Obstkorb und Rückenkurs gleichgesetzt. Tatsächlich besteht es aus drei Säulen mit unterschiedlicher rechtlicher Verbindlichkeit. Zwei davon sind Pflicht, eine ist freiwillig, und erst ihr Zusammenspiel macht aus Einzelmaßnahmen ein Managementsystem.

Die 3 Säulen des BGM

Säule Rechtsgrundlage Verbindlichkeit
Arbeits- und Gesundheitsschutz inkl. Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen § 5 ArbSchG Pflicht
Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) § 167 Abs. 2 SGB IX Pflicht bei mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit in zwölf Monaten
Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) § 20b SGB V Freiwillig, gemeinsam mit Krankenkassen umsetzbar

Arbeits- und Gesundheitsschutz

Nach § 5 Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber die Gefährdungen am Arbeitsplatz beurteilen, ausdrücklich auch psychische Belastungen. Die Gefährdungsbeurteilung ist damit die wichtigste Datenquelle für jedes BGM. Wie du sie für psychische Belastungen umsetzt, erklärt unser Leitfaden zur psychischen Gefährdungsbeurteilung.

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Sind Beschäftigte innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, müssen Arbeitgeber nach § 167 Abs. 2 SGB IX ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten. Ziel ist, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden und erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen. Für Beschäftigte ist die Teilnahme freiwillig.

Betriebliche Gesundheitsförderung

Die betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle freiwilligen Maßnahmen, die Gesundheit und Wohlbefinden stärken, von der Beratung zur Arbeitsgestaltung über Workshops bis zum Gesundheitstag. Hier entsteht der strategische Nutzen des BGM, und hier setzt auch die Förderung durch die Krankenkassen an.

Manche Modelle ergänzen Personal- und Organisationsentwicklung als vierte Säule, etwa mit gesundheitsgerechter Führung oder lebensphasenorientierter Personalpolitik. Ob drei oder vier Säulen, in beiden Modellen greifen Pflichtaufgaben und freiwillige Angebote ineinander.

Ist BGM Pflicht?

Teilweise. Arbeitsschutz inklusive Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen und das BEM sind gesetzlich vorgeschrieben, die betriebliche Gesundheitsförderung ist freiwillig. Wer nur die Pflichtbausteine erfüllt, deckt die rechtlichen Anforderungen ab. Ein Gesundheitsmanagement mit messbarer Wirkung auf Fehlzeiten, Leistung und Bindung entsteht erst, wenn die freiwillige Gesundheitsförderung hinzukommt.

Was ist der Unterschied zwischen BGM und BGF?

Betriebliche Gesundheitsförderung bezeichnet die einzelnen Maßnahmen, etwa einen Gesundheitstag, eine Bewegte Pause oder einen Resilienz-Workshop. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist das System darüber. Es analysiert den Bedarf, wählt Maßnahmen aus, verankert sie in Strukturen und misst ihre Wirkung. Eine einzelne Maßnahme ohne dieses System kann Impulse setzen, ihre Wirkung verpufft jedoch, wenn keine Wiederholung, keine Auswertung und keine Anbindung an die Unternehmensziele folgt. Die Grundbegriffe rund um Prävention erklärt unser Beitrag Prävention einfach erklärt.

Handlungsfelder im BGM: Was der GKV-Leitfaden Prävention vorgibt

Wer nach einem Leitfaden für betriebliche Gesundheitsförderung sucht, landet beim Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbands. Er legt fest, welche Leistungen Krankenkassen in der betrieblichen Gesundheitsförderung erbringen und unter welchen Bedingungen. Maßgeblich ist aktuell die Fassung vom 17. Dezember 2025. Der Leitfaden unterscheidet drei Handlungsfelder.

Beratung zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung

Dieses Handlungsfeld setzt an den Verhältnissen an. Es geht um die gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitstätigkeit und Arbeitsbedingungen sowie um gesundheitsgerechte Führung. Typische Leistungen sind Analysen, Gesundheitszirkel und die Beratung von Führungskräften.

Gesundheitsförderlicher Arbeits- und Lebensstil

Dieses Handlungsfeld setzt am Verhalten der Beschäftigten an. Der Leitfaden nennt hier unter anderem Stressbewältigung und Ressourcenstärkung, bewegungsförderliches Arbeiten und körperlich aktive Beschäftigte, gesundheitsgerechte Ernährung im Arbeitsalltag und Suchtprävention. Verhaltensbezogene Angebote zu Stress und mentaler Gesundheit sollen dabei mit verhältnisbezogenen Maßnahmen kombiniert werden.

Überbetriebliche Beratung und Vernetzung

Gerade kleine und mittlere Unternehmen profitieren von überbetrieblichen Netzwerken, etwa regionalen Kooperationen oder betriebsübergreifenden Angeboten. Erste Anlaufstelle für kostenfreie Beratung sind die BGF-Koordinierungsstellen der Krankenkassen.

Themenfelder in der Praxis: Bewegung, Ernährung, mentale Gesundheit und Miteinander

Im Unternehmensalltag übersetzen sich die Handlungsfelder in vier Themenfelder, die sich in unserer Arbeit mit Unternehmen aller Größen bewähren. Bewegung wirkt gegen die häufigsten körperlichen Beschwerden, von Rückenschmerzen bis Bewegungsmangel am Bildschirmarbeitsplatz, wie unser Beitrag zur Rückengesundheit am Arbeitsplatz zeigt. Ernährung beeinflusst Energie und Konzentration im Arbeitsalltag unmittelbar, wirksam sind alltagstaugliche Impulse wie ein Lunch and Learn. Mentale Gesundheit ist das Themenfeld mit dem größten Handlungsdruck, wie die Entwicklung der psychisch bedingten Fehlzeiten zeigt. Soziales Miteinander verstärkt die anderen drei Felder, weil gemeinsame Formate wie Teamevents die Bindung schaffen, über die Gesundheitsangebote überhaupt erst angenommen werden.

Für Zielgruppen mit besonderen Belastungsprofilen braucht es angepasste Konzepte, etwa für Auszubildende, für Führungskräfte oder rund um Frauengesundheit im Unternehmen.

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Welche Handlungsfelder passen zu euch?

Im Erstgespräch schauen wir auf eure Ausgangslage und klären, mit welchen Themen ihr den größten Hebel für eure Belegschaft habt.

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BGM einführen: Der Leitfaden in sechs Schritten

Der Aufbau eines BGM folgt einem Kreislauf, den auch der GKV-Leitfaden Prävention beschreibt. Er lässt sich unabhängig von der Unternehmensgröße anwenden und wiederholt sich, sobald die Auswertung neue Erkenntnisse liefert.

Schritt 1: Vorbereiten und Rückhalt sichern

Am Anfang steht die Entscheidung der Geschäftsführung, Gesundheit systematisch anzugehen. Hilfreich ist eine kurze schriftliche Leitlinie oder Absichtserklärung, die Ziele und Ressourcen festhält. Für kleine Betriebe genügt eine einfache Vereinbarung.

Schritt 2: Strukturen schaffen

Ein Steuerkreis aus Geschäftsführung, HR, Arbeitsschutz und Mitarbeitendenvertretung steuert den Prozess. Wo es einen Arbeitsschutzausschuss gibt, wird er einbezogen. Die Beschäftigten werden von Beginn an beteiligt.

Schritt 3: Analysieren

Die Analyse klärt, warum Menschen im Unternehmen ausfallen oder unzufrieden sind. Datenquellen sind Fehlzeitenstatistiken, die Gefährdungsbeurteilung, Mitarbeiterbefragungen und Gespräche mit Führungskräften. Ohne diese Analyse werden Maßnahmen nach Bauchgefühl gewählt und verfehlen die tatsächlichen Belastungen.

Schritt 4: Maßnahmen planen

Aus der Analyse entstehen Ziele, Zielgruppen und ein Maßnahmenmix über die Handlungsfelder. In dieser Phase werden auch Budget, Förderung und Verantwortlichkeiten geklärt. Welches Format zu welchem Ziel passt, zeigt unser Beitrag zur Wahl des passenden BGM-Formats.

Schritt 5: Umsetzen

Die Maßnahmen starten, idealerweise mit einem sichtbaren Auftakt wie einem Gesundheitstag, gefolgt von kontinuierlichen Formaten. Kommunikation ist in dieser Phase der Erfolgsfaktor, denn das beste Angebot wirkt nur, wenn die Belegschaft es kennt.

Schritt 6: Auswerten

Die Wirkung wird gemessen, etwa über Teilnahmequoten, Gesundheitszufriedenheit, Präsentismus und Fehlzeitenentwicklung. Welche Kennzahlen sich dafür eignen, beschreibt unser Beitrag zu BGM-Kennzahlen. Die Ergebnisse fließen in die nächste Analyse, womit der Kreislauf von vorn beginnt.

Vorschau der BGM-Starter-Checkliste von Strong Partners mit sechs Schritten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement
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BGM-Starter-Checkliste: In sechs Schritten zum BGM

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Welche Maßnahmen gehören ins BGM?

Der konkrete Mix hängt vom Belastungsprofil ab. Die folgende Übersicht ordnet bewährte Formate den Themenfeldern zu.

BGM-Maßnahmen nach Themenfeld

Themenfeld Beispielformate Geeignet für
Bewegung Bewegte Pause, Firmenfitness, Lauf-Events Bildschirmarbeit, Produktion
Ernährung Workshops, Lunch and Learn, Meal-Prep-Impulse Alle Zielgruppen, Schichtdienst
Mentale Gesundheit Entspannte Pause, Resilienz-Workshops, Keynotes Hohe Arbeitsdichte, Führungskräfte
Soziales Miteinander Gesundheitstage, Teamevents, Challenges Alle Zielgruppen, Onboarding

Für ruhige, regenerative Formate im Arbeitsalltag haben wir die Umsetzung in einem eigenen Beitrag zur Entspannten Pause im Unternehmen beschrieben. Für Vorträge, die Gesundheitsthemen auf Entscheiderebene verankern, eignen sich unsere Keynotes. Wer Firmenfitness einführen möchte, findet im Firmenfitness-Anbieter-Vergleich eine Entscheidungshilfe.

Was kostet BGM und was bringt es?

Die Kostenfrage entscheidet in vielen Geschäftsführungen über den Start, und sie lässt sich gut einordnen. Auf der Ausfallseite lagen die Produktionsausfallkosten durch Arbeitsunfähigkeit 2024 laut BAuA bei 134 Milliarden Euro, rechnerisch rund 152 Euro je Ausfalltag. Für das einzelne Unternehmen liegt der Wert meist höher, weil Entgeltfortzahlung, Vertretung und Überstunden hinzukommen.

Auf der Nutzenseite ermittelte die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) in einer Auswertung von Studien für systematische betriebliche Gesundheitsförderung einen Return on Investment von durchschnittlich 1 zu 2,7, überwiegend über vermiedene Fehlzeiten. Entscheidend ist das Wort systematisch, denn Einzelmaßnahmen ohne Bedarfsbezug erreichen solche Werte nicht. Die Kosten selbst hängen von Umfang und Format ab, vom einzelnen Workshop bis zum jahresbegleitenden Programm.

Wie die Förderung durch Krankenkassen funktioniert

Krankenkassen sind nach § 20b SGB V verpflichtet, Unternehmen bei der betrieblichen Gesundheitsförderung zu unterstützen. Einen Anspruch auf eine bestimmte Förderhöhe gibt es nicht. Der GKV-Leitfaden Prävention knüpft die Förderung an Bedingungen. Leistungen müssen vorab mit der Krankenkasse abgestimmt sein, das Unternehmen bringt sich finanziell oder personell ein, und die Maßnahmen beruhen auf einer Analyse und werden ausgewertet. Isolierte Einzelmaßnahmen externer Anbieter, die in kein Gesamtkonzept eingebunden sind, schließt der Leitfaden ausdrücklich aus.

Zusätzlich können Arbeitgeber Maßnahmen, die die Qualitätskriterien nach §§ 20 und 20b SGB V erfüllen, nach § 3 Nr. 34 EStG mit bis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Jahr steuerfrei finanzieren. Alle Wege im Detail zeigt unser Überblick zur BGM-Förderung.

BGM als Bindungsfaktor

Aus unserer Sicht ist die wichtigste Entwicklung im BGM der Perspektivwechsel von der Fehlzeitenreduktion zur Mitarbeiterbindung. Gesundheitsangebote signalisieren dauerhaftes Interesse am Menschen, und daraus entsteht die emotionale Bindung, die laut Gallup mit weniger Fehltagen einhergeht. Für junge Beschäftigte zählt ein gutes Arbeitsklima laut DAK-Gesundheitsreport 2025 zu den wichtigsten Aspekten ihrer Arbeit. Die vollständige Argumentation findest du im Beitrag zur Mitarbeiterbindung durch BGM.

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BGM strukturiert aufsetzen

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Fazit: BGM wirkt als dauerhafter Prozess

Betriebliches Gesundheitsmanagement verbindet Arbeitsschutz, Eingliederungsmanagement und Gesundheitsförderung zu einem System, mit dem Unternehmen Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Bindung ihrer Mitarbeitenden dauerhaft sichern. Wirksam wird es, wenn Maßnahmen auf einer Analyse beruhen, in feste Strukturen eingebunden sind und regelmäßig ausgewertet werden. Genau daran knüpft auch die Förderung durch die Krankenkassen an. Der beste erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme, aus der sich die ersten Maßnahmen ableiten lassen.

Häufige Fragen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement

Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement einfach erklärt?

BGM ist die systematische Förderung der Gesundheit von Mitarbeitenden durch das Unternehmen. Es verbindet gesetzlichen Arbeitsschutz, die Wiedereingliederung nach längerer Krankheit und freiwillige Gesundheitsangebote zu einem Gesamtsystem. Dazu gehören Analyse, Planung, Umsetzung und Erfolgsmessung. Ziel sind weniger Ausfälle, mehr Leistungsfähigkeit und eine stärkere Bindung an das Unternehmen.

Was sind die 3 Säulen des BGM?

Die drei Säulen sind Arbeits- und Gesundheitsschutz, Betriebliches Eingliederungsmanagement und Betriebliche Gesundheitsförderung. Die ersten beiden sind gesetzlich vorgeschrieben, die Gesundheitsförderung ist freiwillig. Manche Modelle ergänzen Personal- und Organisationsentwicklung als vierte Säule. Wirksam wird BGM, wenn alle Säulen in einem gemeinsamen Prozess zusammenarbeiten.

Ist betriebliches Gesundheitsmanagement Pflicht?

Teilweise. Arbeitsschutz inklusive Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen nach § 5 Arbeitsschutzgesetz und das Betriebliche Eingliederungsmanagement nach § 167 Abs. 2 SGB IX sind gesetzlich vorgeschrieben. Die betriebliche Gesundheitsförderung ist freiwillig. Sie lässt sich nach § 20b SGB V gemeinsam mit Krankenkassen umsetzen.

Was ist der Unterschied zwischen BGM und BGF?

BGF bezeichnet die einzelnen Gesundheitsmaßnahmen wie Kurse, Workshops oder Gesundheitstage. BGM ist das übergeordnete Managementsystem, das diese Maßnahmen plant, steuert und auswertet. BGF ist damit ein Teil des BGM. Für die Förderung durch Krankenkassen ist genau diese Einbindung in ein Gesamtkonzept wichtig.

Welche Handlungsfelder gibt es im BGM?

Der GKV-Leitfaden Prävention unterscheidet in der betrieblichen Gesundheitsförderung drei Handlungsfelder: die Beratung zur gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung, den gesundheitsförderlichen Arbeits- und Lebensstil sowie die überbetriebliche Beratung und Vernetzung. In der Praxis übersetzen sich diese in Themenfelder wie Bewegung, Ernährung, mentale Gesundheit und soziales Miteinander. Welche davon Vorrang haben, ergibt sich aus der Analyse im eigenen Unternehmen.

Was kostet betriebliches Gesundheitsmanagement?

Die Kosten hängen von Umfang und Format ab, vom einzelnen Workshop bis zum jahresbegleitenden Programm. Krankenkassen unterstützen betriebliche Gesundheitsförderung nach § 20b SGB V, wenn sie in einen strukturierten Prozess eingebunden und vorab abgestimmt ist. Zusätzlich sind nach § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Jahr steuerfrei möglich. Dem stehen Produktionsausfallkosten von rechnerisch rund 152 Euro je Ausfalltag gegenüber.

Lohnt sich BGM auch für kleine Unternehmen?

Ja. Gerade kleinere Betriebe treffen Ausfälle überproportional, weil Vertretungen fehlen. Die BGF-Koordinierungsstellen der Krankenkassen beraten kleine und mittlere Unternehmen kostenfrei, und betriebsübergreifende Formate senken den Aufwand. So ist der Einstieg auch mit kleinem Budget gut darstellbar.

Wie lange dauert die Einführung von BGM?

Erste Maßnahmen lassen sich innerhalb weniger Wochen umsetzen. Der Aufbau eines vollständigen Systems mit Steuerkreis, Analyse und Auswertung dauert erfahrungsgemäß sechs bis zwölf Monate. Danach entwickelt sich BGM als Kreislauf kontinuierlich weiter. Plane die erste Auswertung deshalb von Anfang an mit ein.

Wer ist im Unternehmen für BGM verantwortlich?

Die Verantwortung liegt bei der Geschäftsführung, die operative Steuerung meist bei HR oder einer BGM-Beauftragten. Bewährt hat sich ein Steuerkreis, der Geschäftsführung, HR, Arbeitsschutz, Führungskräfte und Mitarbeitendenvertretung verbindet. Wichtig ist, dass die Beschäftigten selbst von Anfang an beteiligt werden.

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