Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz: Zahlen 2026, Pflichten und der Einstieg in 90 Tagen
Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz beschreibt das psychische Wohlbefinden von Beschäftigten im Arbeitskontext: die Fähigkeit, produktiv zu arbeiten, mit Belastung umzugehen und soziale Beziehungen im Team aufrechtzuerhalten. Psychisch bedingte Fehlzeiten dauern mit durchschnittlich 33 Tagen fast doppelt so lang wie körperliche Erkrankungen und verursachen laut BAuA 144 Euro Produktionsausfall pro Krankheitstag – Präsentismuskosten noch nicht eingerechnet. Wirksame Prävention setzt auf drei Ebenen an: präventive Formate wie Workshops und Keynotes, reaktive Unterstützung durch geschulte Führungskräfte und strukturelle Maßnahmen auf Ebene der Arbeitsbedingungen. Viele davon sind nach § 20 SGB V förderfähig.

Das Wichtigste in Kürze
- Psychische Erkrankungen verursachten 2025 laut DAK-Psychreport 2026 366 Fehltage je 100 Versicherte, nach 342 Fehltagen im Jahr 2024.
- Bei AOK-versicherten Beschäftigten stiegen die psychisch bedingten Fehltage laut Fehlzeiten-Report 2026 von 284 Tagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 Tage im Jahr 2025.
- Eine Krankschreibung wegen psychischer Erkrankung dauerte 2025 bei AOK-Mitgliedern im Schnitt 28,5 Tage, bei Atemwegserkrankungen waren es 5,7 Tage.
- Die Produktionsausfallkosten durch psychische und Verhaltensstörungen lagen 2024 laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bei 22,5 Milliarden Euro.
Der Krankenstand in Deutschland sinkt leicht. Laut Fehlzeiten-Report 2026 kamen 2025 auf jedes AOK-Mitglied 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage, nach 23,9 Tagen in den beiden Vorjahren. Bei psychischen Erkrankungen zeigt die Entwicklung dagegen weiter nach oben. Genau diese Ausfälle treffen Unternehmen besonders hart, weil sie lange dauern und sich in kleinen Teams kaum auffangen lassen. Was ein einzelner Ausfall kostet, haben wir im Beitrag zu psychisch bedingten Fehlzeiten und ihren Kosten durchgerechnet. Dieser Leitfaden ordnet die aktuellen Zahlen ein, erklärt die Pflichten für Arbeitgeber und zeigt, wie HR-Verantwortliche das Thema in 90 Tagen strukturiert angehen.
Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz in Zahlen: Was der Fehlzeiten-Report 2026 zeigt
Der Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ist am 8. Oktober 2026 erschienen und widmet sich in 25 Beiträgen dem Schwerpunkt „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“. Ausgewertet wurden die Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten. Psychisch bedingte Fehltage stiegen danach von 284 Tagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 Tage im Jahr 2025, ein Plus von knapp 42 Prozent.
Auffällig ist das Verhältnis von Häufigkeit und Dauer. Psychische Erkrankungen kamen 2025 auf 14,1 Krankschreibungsfälle je 100 Mitglieder, Atemwegserkrankungen auf 80,3 Fälle. Mit 28,5 Tagen je Fall dauerte eine psychisch bedingte Krankschreibung aber fünfmal so lang wie eine Atemwegserkrankung mit 5,7 Tagen. Noch stärker als der Durchschnitt wuchsen die Ausfalltage mit der Diagnose Burnout, nämlich um 77 Prozent von 11,0 auf 19,5 Tage je 100 Mitglieder.
Die Entwicklung schlägt auch auf die Sozialversicherung durch. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Krankengeld lagen 2025 nach vorläufigen Daten bei 21,6 Milliarden Euro. Zwischen 2021 und 2025 stieg die Zahl der Krankengeldfälle wegen psychischer Erkrankungen um knapp 25 Prozent, die Ausgaben dafür um 54 Prozent.
Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health der Universität Leipzig, ordnet die Zahlen im Report ein. Steigende Fehlzeiten zeigen nach ihrer Einschätzung auch, dass psychische Erkrankungen heute besser erkannt und offener angesprochen werden, und sind deshalb nur bedingt ein Maß für ihre Häufigkeit in der Bevölkerung. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf eine reale Zunahme psychischer Belastungen, vor allem bei jüngeren Menschen.
Warum sich die Zahlen von AOK und DAK unterscheiden
Der DAK-Psychreport 2026 kommt für 2025 auf 366 Fehltage je 100 Versicherte, der Fehlzeiten-Report auf 403 Tage je 100 AOK-Mitglieder. Beide Werte stimmen, sie beruhen auf unterschiedlichen Versichertengruppen mit eigener Berufs- und Altersstruktur. Für die Einordnung im eigenen Unternehmen zählt deshalb die Entwicklung über mehrere Jahre, die beide Reports übereinstimmend zeigen. Laut DAK lag die durchschnittliche Dauer einer psychisch bedingten Krankschreibung 2025 bei 34,2 Tagen.
Psychische Belastung nach Berufsgruppen: Wer besonders betroffen ist
Am häufigsten wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben waren 2025 laut Fehlzeiten-Report Beschäftigte im Dialogmarketing mit 39,0 Fällen je 100 AOK-Mitglieder. Es folgen die Haus- und Familienpflege (25,6 Fälle), die Altenpflege (24,9), die Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (24,6) sowie die Kinderbetreuung und -erziehung (23,0). In diesen Berufen treffen laut Riedel-Heller hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und ein hohes Arbeitspensum auf wenig Kontrolle über Arbeitsabläufe und oft fehlende soziale Unterstützung.
Auch Büro- und Verwaltungsberufe sind betroffen. Der DAK-Psychreport 2026 weist der öffentlichen Verwaltung mit 430 Fehltagen je 100 Versicherte einen deutlich überdurchschnittlichen Wert zu. Frauen kamen 2025 auf 456 psychisch bedingte Fehltage je 100 Versicherte, Männer auf 288. Im ersten Halbjahr 2026 lagen psychische Erkrankungen laut einer DAK-Auswertung erstmals vor den Atemwegserkrankungen und waren damit der häufigste Krankschreibungsgrund. Für Nordrhein-Westfalen zeigt unser Beitrag zum Krankenstand in NRW dieselbe Entwicklung.
Ursachen psychischer Belastung am Arbeitsplatz
Die Belastungsfaktoren aus den besonders betroffenen Berufen finden sich in abgeschwächter Form in vielen Unternehmen wieder, etwa ein hohes Arbeitspensum bei wenig Einfluss auf Abläufe und zu wenig Rückhalt durch Team und Führung. Hinzu kommen Faktoren, die mit hybrider Arbeit gewachsen sind, wie ständige Erreichbarkeit, viele parallele digitale Kanäle und das Verschwimmen von Arbeits- und Privatzeit. Wie neue Tools diesen Druck verstärken können, beschreibt unser Beitrag zu Technostress durch KI-Tools.
Eine Beschäftigtenbefragung für den Fehlzeiten-Report 2026 ergänzt einen Faktor, der aktuell an Gewicht gewinnt. Sorgen um die eigene wirtschaftliche Lage oder die Angst vor Arbeitslosigkeit gehen mit mehr Niedergeschlagenheit, Wut und Erschöpfung einher. WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder rechnet damit, dass sich diese Belastungen bei angespannter Wirtschaftslage verstärken und perspektivisch auch die Fehlzeiten erhöhen.
In unseren Workshops erleben die Mental-Health-Expertinnen von Strong Partners regelmäßig, dass Beschäftigte Belastungssignale lange vor einer Krankschreibung bei sich bemerken. Häufig fehlt aber ein Rahmen, in dem sie diese Signale ansprechen können. Persönliche Muster wie Perfektionismus am Arbeitsplatz verstärken den Druck zusätzlich, und wer sich dauerhaft überlastet fühlt, zieht sich innerlich zurück, wie die Daten zur inneren Kündigung im Team zeigen.
Rechtliche Grundlage: Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung und BEM
Arbeitgeber sind nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, psychische Belastungen bei der Arbeit in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung erfasst Arbeitsinhalte und Arbeitsintensität, die Arbeitsorganisation mit Arbeitszeiten und Erreichbarkeit, die sozialen Beziehungen zu Kolleginnen, Kollegen und Führungskräften sowie die Arbeitsumgebung. Für jeden Bereich werden Gefährdungen bewertet, Maßnahmen festgelegt und deren Wirkung überprüft.
In der Praxis bleibt die Umsetzung lückenhaft. Selbst im Gesundheits- und Sozialwesen, wo psychische Belastung besonders hoch ist, beziehen laut Angaben der Bundesregierung nur 75,2 Prozent der Betriebe das Thema in ihre Gefährdungsbeurteilung ein. Wie aus der Pflicht ein Instrument mit echtem Nutzen wird, erklärt unser Leitfaden zur psychischen Gefährdungsbeurteilung. Welche Impulse die europäische Kampagne zu psychosozialen Risiken setzt, liest du im Beitrag zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz.
Fällt jemand innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen aus, greift außerdem das Betriebliche Eingliederungsmanagement nach § 167 Abs. 2 SGB IX. Bei psychischen Erkrankungen ist diese Schwelle wegen der langen Falldauer schnell erreicht. Auch der Fehlzeiten-Report betont das BEM als wichtigen Hebel, damit Beschäftigte Schritt für Schritt in die Arbeit zurückfinden.
Welche BGM-Maßnahmen die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz stärken
Riedel-Heller fasst den Ansatz im Report so zusammen: „Gute Arbeit bietet Sicherheit, Zugehörigkeit, Struktur und Selbstwirksamkeit.“ Wirksame Programme verbinden deshalb die Gestaltung der Arbeitsbedingungen mit Angeboten, die einzelne Beschäftigte stärken. Für Unternehmen ab etwa 50 Beschäftigten bewährt sich ein Mix aus drei Ebenen, eingebettet in eine BGM-Strategie.
Präventive Angebote für die ganze Belegschaft
Prävention setzt an, bevor Belastung zur Erkrankung wird. Dazu gehören Workshops zu Stressmanagement und Resilienz, Keynotes zu mentaler Gesundheit und regelmäßige Formate wie die Entspannte Pause, die Erholung fest in den Arbeitsalltag einbauen. Für verteilte Teams eignet sich eine Online-Keynote zu mentaler Gesundheit, die ohne Anreise alle Standorte erreicht. Wirksam werden solche Formate, wenn sie in einem festen Rhythmus über das Jahr verteilt stattfinden.
Frühe Unterstützung bei ersten Warnsignalen
Wer bereits belastet ist, braucht einen niedrigschwelligen Zugang zu Hilfe. Das können geschulte Führungskräfte als erste Ansprechpersonen sein, interne Anlaufstellen oder externe Beratungsangebote wie ein Employee Assistance Program. Ein Team, das psychologische Sicherheit erlebt, spricht Überlastung früher an, deshalb lohnt sich die Arbeit an der Teamkultur doppelt.
Strukturelle Maßnahmen an den Arbeitsbedingungen
Auf struktureller Ebene geht es um Arbeitszeiten, Aufgabenverteilung, Erreichbarkeitsregeln und Kommunikationswege. Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung zeigen, wo die größten Hebel liegen. Eine klare Vereinbarung zu Antwortzeiten in Messengern entlastet oft spürbar und kostet kaum etwas.
Betriebliche Gesundheitsförderung ist in § 20b SGB V geregelt. Krankenkassen sind verpflichtet, Unternehmen dabei zu unterstützen, einen Anspruch auf eine bestimmte Förderhöhe gibt es aber nicht. Welche Wege es gibt und wie du vorgehst, zeigt unser Überblick zur BGM-Förderung. Zusätzlich können Arbeitgeber Maßnahmen, die die Qualitätskriterien nach §§ 20 und 20b SGB V erfüllen, nach § 3 Nr. 34 EStG mit bis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Jahr zusätzlich zum Lohn steuerfrei finanzieren.
Führungskräfte als Schlüssel für psychische Gesundheit im Team
Führungskräfte prägen Arbeitsintensität, Handlungsspielraum und Teamklima direkt mit und haben damit großen Einfluss auf die psychische Gesundheit im Team. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt in ihren Leitlinien zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz ausdrücklich Schulungen für Führungskräfte, damit sie Belastung erkennen und angemessen reagieren können.
Typische Frühindikatoren sind sozialer Rückzug, nachlassende Qualität ohne erkennbaren äußeren Grund, häufige kurze Fehlzeiten, gereizte Reaktionen in Situationen, die früher kein Problem waren, und sinkende Initiative bei bisher engagierten Mitarbeitenden. Welche Warnsignale auf ein Burnout hindeuten und wie du als Führungskraft das Gespräch suchst, beschreibt unser Beitrag Burnout erkennen. Bei jungen Beschäftigten zeigen sich die Signale oft anders, darauf geht der Artikel zu Warnsignalen bei Azubis ein.
Für die Früherkennung braucht es kein psychologisches Fachwissen. Hilfreich sind regelmäßige, kurze Einzelgespräche ohne Leistungsbewertung und eine Führungskultur, die Erholung als Voraussetzung für Leistung versteht. Isabel Voß, Mental-Health-Expertin bei Strong Partners, arbeitet in Workshops für Führungskräfte genau an diesen Gesprächen und zeigt, welche Verhaltensänderungen im Alltag den größten Effekt haben. Warum Erholung dabei Chefsache ist, beschreibt unser Beitrag zu Regeneration als Führungsaufgabe.
Mentale Gesundheit fördern: Der Einstieg in 90 Tagen
Viele HR-Verantwortliche wissen, dass sie handeln wollen, und bleiben bei der Frage hängen, wo sie anfangen sollen. Drei Schritte haben sich für den Einstieg bewährt, weil sie schnell sichtbar werden und eine Grundlage für strukturelle Maßnahmen schaffen.
Monat 1: Belastungen erfassen
Eine anonyme Kurzbefragung mit fünf bis acht Fragen zu Stresserleben, Erholungsfähigkeit und Führungskommunikation zeigt die wichtigsten Belastungsfelder. Ergänzt um die eigenen Fehlzeitendaten und die Gefährdungsbeurteilung entsteht ein Bild, auf dem sich ein Maßnahmenplan aufbauen lässt. Welche Kennzahlen sich dafür eignen, zeigt unser Beitrag zu BGM-Kennzahlen.
Monat 2: Führungskräfte einbinden
Ein halbtägiger Workshop zur Früherkennung psychischer Belastung und zu gesundheitsförderlicher Kommunikation gibt Führungskräften Sicherheit für schwierige Gespräche. Er ist vergleichsweise günstig und erreicht über jede Führungskraft das ganze Team.
Monat 3: Ein sichtbares Angebot für alle
Ein erstes Angebot für die gesamte Belegschaft zeigt, dass das Thema ernst gemeint ist. Das kann ein Impulsvortrag sein, eine wöchentliche Entspannte Pause im Online-Format oder ein Gesundheitstag mit Mental-Health-Schwerpunkt. Welches Format passt, hängt von Teamgröße, Budget und Arbeitsorganisation ab.
Gesundheitstag mit Mental-Health-Fokus: Was er leisten kann
Ein Gesundheitstag macht mentale Gesundheit zu einem Thema der ganzen Organisation, weil er alle Beschäftigten gleichzeitig erreicht und eine gemeinsame Sprache schafft. Bewährt hat sich die Kombination aus einem kurzen Impulsvortrag zu einem konkreten Thema wie Schlaf, Überlastung oder Kommunikation in belasteten Teams, einem Bewegungsangebot als Ausgleich und offenen Gesprächsrunden ohne Führungskräfte. In diesen Runden kommen Themen zur Sprache, die in hierarchischen Settings oft unausgesprochen bleiben.
Seine Wirkung entfaltet ein Gesundheitstag, wenn Folgeformate darauf aufbauen. Planung, Ablauf und Kosten beschreibt unser Leitfaden zum Gesundheitstag im Unternehmen, und über den Gesundheitstag-Konfigurator stellst du dir dein Programm direkt zusammen.
Fazit: Mentale Gesundheit braucht Struktur und Kontinuität
Der Fehlzeiten-Report 2026 bestätigt, was der DAK-Psychreport bereits gezeigt hat. Der Krankenstand insgesamt geht leicht zurück, die psychisch bedingten Fehlzeiten steigen weiter und verursachen lange Ausfälle. Für Unternehmen lohnt sich deshalb ein systematischer Ansatz, der mit der Gefährdungsbeurteilung beginnt, Führungskräfte einbindet und regelmäßige Angebote für die Belegschaft schafft. Der nächste sinnvolle Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme, aus der sich die ersten drei Maßnahmen ableiten lassen.
Häufige Fragen zur mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz
Was versteht man unter mentaler Gesundheit am Arbeitsplatz?
Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz bezeichnet das psychische Wohlbefinden von Beschäftigten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit. Dazu gehört, mit Belastungen umgehen zu können, produktiv zu arbeiten und gute Beziehungen im Team zu pflegen. Sie wird von persönlichen Faktoren, von den Arbeitsbedingungen und vom Führungsverhalten beeinflusst. Unternehmen können deshalb sowohl an den Verhältnissen als auch bei den einzelnen Beschäftigten ansetzen.
Wie viele Fehltage verursachen psychische Erkrankungen?
Laut DAK-Psychreport 2026 verursachten psychische Erkrankungen 2025 366 Fehltage je 100 Versicherte. Der Fehlzeiten-Report 2026 des WIdO kommt für AOK-Mitglieder auf 403 Fehltage je 100 Mitglieder, knapp 42 Prozent mehr als 2016. Die Unterschiede ergeben sich aus den verschiedenen Versichertengruppen. Für dein Unternehmen ist der Vergleich mit dem eigenen Krankenstand über mehrere Jahre aussagekräftiger als ein einzelner Bundeswert.
Wie lange dauert eine Krankschreibung wegen psychischer Erkrankungen?
Bei AOK-Mitgliedern dauerte eine psychisch bedingte Krankschreibung 2025 im Schnitt 28,5 Tage, bei DAK-Versicherten 34,2 Tage. Zum Vergleich lag die Dauer bei Atemwegserkrankungen bei 5,7 Tagen. Die längsten Ausfälle entfallen auf Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen sowie auf depressive Episoden. Ab sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb von zwölf Monaten musst du ein Betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten.
Sind Arbeitgeber verpflichtet, die mentale Gesundheit zu schützen?
Ja. Nach § 5 Abs. 3 Nr. 6 Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber psychische Belastungen bei der Arbeit in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen, Maßnahmen ableiten und deren Wirkung prüfen. Darüber hinaus ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement nach § 167 Abs. 2 SGB IX Pflicht, wenn Beschäftigte länger als sechs Wochen im Jahr ausfallen. Präventive Angebote wie Workshops oder Gesundheitstage sind freiwillig und lassen sich gemeinsam mit Krankenkassen über § 20b SGB V umsetzen.
Welche Maßnahmen helfen gegen psychische Belastung im Team?
Am wirksamsten ist eine Kombination aus Maßnahmen an den Arbeitsbedingungen und Angeboten für die Beschäftigten. Dazu gehören klare Regeln zu Arbeitszeit und Erreichbarkeit, Schulungen für Führungskräfte zur Früherkennung, Workshops zu Stressmanagement und Resilienz sowie regelmäßige Erholungsformate wie die Entspannte Pause. Einzelaktionen ohne Fortsetzung verpuffen meist schnell. Plane die Angebote deshalb als festen Rhythmus über das Jahr.
Übernimmt die Krankenkasse Kosten für Maßnahmen zur mentalen Gesundheit?
Krankenkassen sind nach § 20b SGB V verpflichtet, betriebliche Gesundheitsförderung zu unterstützen, einen Anspruch auf eine feste Förderhöhe gibt es jedoch nicht. Ob und in welchem Umfang eine Kasse Workshops, Analysen oder Gesundheitstage fördert, klärst du direkt mit ihr. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten über die BGF-Koordinierungsstellen kostenfrei Beratung. Halte für das Gespräch fest, welche Belastungen ihr erhoben habt und welches Ziel die Maßnahme verfolgt.
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