Fehlzeiten senken: Was die geplante Krankschreibung ab dem ersten Tag für euren Krankenstand bedeutet
Union und SPD haben am 2. Juli 2026 angekündigt, dass Beschäftigte eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig schon ab dem ersten Krankheitstag vorlegen sollen und die telefonische Krankschreibung wegfallen soll. Ein Gesetz gibt es dazu noch nicht, Zeitpunkt und Ausgestaltung sind offen. Für euch als Arbeitgeber lohnt sich neben der rechtlichen Einordnung der Blick auf die Ursachen hoher Fehlzeiten. Genau dort setzt betriebliche Gesundheitsförderung an, mit der ihr euren Krankenstand unabhängig von der gesetzlichen Regelung senken könnt.

Der Beschluss des Koalitionsausschusses hat eine Debatte ausgelöst, die viele HR-Verantwortliche gerade beschäftigt. Dieser Beitrag ordnet ein, was konkret geplant ist, was die aktuellen Krankenstandszahlen dazu sagen und welche Maßnahmen euren Krankenstand senken können.
Was sich bei der Krankschreibung ändern soll
Nach dem Koalitionsausschuss haben Union und SPD zwei Änderungen für Krankmeldungen angekündigt. Die ärztliche Bescheinigung soll schon ab dem ersten Tag der Erkrankung Pflicht werden, während die gesetzliche Vorlagepflicht heute erst greift, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert. Zusätzlich soll die seit Ende 2023 mögliche telefonische Krankschreibung abgeschafft werden. Als Grund nennt die Koalition den hohen Krankenstand in den Betrieben, wie unter anderem die Tagesschau und ZDFheute berichten. Die Maßnahmen sind Teil eines größeren Reformpakets zu Arbeit, Steuern und Rente.
Für eure Planung ist eine Einordnung wichtig: Beschlossen ist davon noch nichts. Arbeitgeber dürfen eine AU schon heute ab dem ersten Tag verlangen, in der Praxis wird das aber selten genutzt. Ob und ab wann die neue Pflicht kommt, hängt vom weiteren Gesetzgebungsverfahren ab.
Krankenstand 2025: Zahlen und Ursachen
Der Krankenstand liegt weiter hoch. Nach der Krankenstands-Analyse des IGES Instituts für die DAK-Gesundheit vom Januar 2026 lag er 2025 bei 5,4 Prozent, im Schnitt waren Beschäftigte 19,5 Tage krankgeschrieben. An jedem Tag des Jahres waren damit rund 54 von 1.000 Beschäftigten arbeitsunfähig. Die meisten Fehltage gingen auf Atemwegserkrankungen zurück, gefolgt von psychischen Erkrankungen und Muskel-Skelett-Beschwerden. Auffällig ist der Anstieg bei den psychischen Erkrankungen um 6,9 Prozent, die damit auf Platz zwei der Ursachen rückten.
Bei den Ursachen liefern die Analysen ein einheitliches Bild. Das IGES Institut sieht keinen nennenswerten Einfluss der telefonischen Krankschreibung auf das hohe Niveau und nennt als wesentliche Treiber die vollständigere Erfassung durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung seit 2022, wiederkehrende Erkältungswellen und die seit der Pandemie gewachsene Bereitschaft, sich bei Infekten krankzumelden, um Kolleginnen und Kollegen nicht anzustecken. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kam das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Versorgung Anfang Oktober 2025. Für die betriebliche Praxis ist vor allem die Struktur dieser Ursachen relevant: Die meisten Fehltage entfallen auf Erkrankungen, bei denen Prävention ansetzen kann.
Wie können Unternehmen Fehlzeiten senken?
Der Krankenstand entsteht über Wochen und Monate im Arbeitsalltag, lange vor dem Tag der Krankmeldung. Genau hier könnt ihr als Unternehmen ansetzen, unabhängig davon, wie die gesetzliche Regelung am Ende aussieht. Drei Ansatzpunkte haben sich bewährt.
An den häufigsten Ursachen ansetzen
Bewegungsangebote, Ergonomie am Arbeitsplatz und Angebote für die mentale Gesundheit zahlen direkt auf die drei größten Diagnosegruppen ein. Rückenschulen und ergonomische Beratung reduzieren Muskel-Skelett-Beschwerden, Kurse zu Stressbewältigung und Resilienz stärken die mentale Gesundheit, und regelmäßige Bewegung im Arbeitsalltag unterstützt das Immunsystem. So senkt ihr Fehltage dort, wo sie tatsächlich entstehen.
Gesundes Auskurieren ermöglichen
Wer krank arbeitet, wird langsamer wieder fit und steckt häufig das Team an. Dieses Arbeiten trotz Krankheit, auch Präsentismus genannt, kostet Unternehmen Produktivität und verlängert Krankheitsverläufe. Eine Kultur, in der sich Mitarbeitende in Ruhe auskurieren, und eine gute Wiedereingliederung nach längerer Krankheit wirken dem entgegen. Führungskräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle, weil sie den Umgang mit Krankheit im Team prägen.
Steuerliche Förderung nutzen
Betriebliche Gesundheitsförderung ist steuerlich begünstigt. Bis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Jahr sind nach § 3 Nr. 34 EStG steuerfrei, wie das Bundesministerium der Justiz im Gesetzestext ausweist. Zertifizierte Präventionskurse können zusätzlich von den Krankenkassen bezuschusst werden. Damit lassen sich viele Maßnahmen mit überschaubarem Budget umsetzen.
Senkt eine AU-Pflicht ab Tag eins die Fehlzeiten?
Diese Frage steht hinter der geplanten Reform, und die Einschätzungen dazu gehen auseinander. Befürworter erwarten, dass eine ärztliche Bescheinigung ab dem ersten Tag kurzfristige und unbegründete Krankmeldungen verringert und so die Zahl der Fehltage senkt. Die vorliegenden Analysen von IGES und DAK ordnen den hohen Krankenstand dagegen vor allem der genaueren Erfassung durch die eAU und dem Infektionsgeschehen zu und sehen im Krankmeldeverfahren keinen wesentlichen Treiber. Ob die Reform die Fehlzeiten spürbar senkt, lässt sich damit noch nicht abschließend sagen. Für Betriebe bleibt davon unabhängig die Prävention an den häufigsten Krankheitsursachen ein direkt steuerbarer Hebel.
Prävention als Teil eures betrieblichen Gesundheitsmanagements
Einzelne Aktionen helfen kurzfristig, tragfähig wird es mit einem Plan. Ein ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement beginnt mit einer Bedarfsanalyse, die zeigt, wo in eurem Unternehmen die meisten Fehltage entstehen und welche Angebote zu euren Teams passen. Auf dieser Basis lassen sich Bewegung, Ergonomie und mentale Gesundheit zu einem Programm verbinden, das messbar auf den Krankenstand einzahlt. Bei Strong Partners entwickeln wir dieses Konzept gemeinsam mit euch und begleiten die Umsetzung über die BGM-Strategieberatung.
Häufige Fragen zur Krankschreibung ab dem ersten Tag
Ab wann gilt die Krankschreibung ab dem ersten Tag?
Ein konkretes Datum gibt es noch nicht. Union und SPD haben die Regelung am 2. Juli 2026 angekündigt, ein Gesetz und der Zeitpunkt des Inkrafttretens stehen aber noch aus. Bis dahin gilt weiter, dass eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen ist, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage dauert, sofern der Arbeitgeber es nicht früher verlangt.
Ist die telefonische Krankschreibung schon abgeschafft?
Nein. Die telefonische Krankschreibung ist weiterhin möglich. Die Koalition hat angekündigt, sie abzuschaffen, umgesetzt ist das noch nicht.
Wie hoch ist der Krankenstand in Deutschland aktuell?
Nach der DAK-Analyse für 2025 lag der Krankenstand bei 5,4 Prozent, im Durchschnitt waren Beschäftigte 19,5 Tage krankgeschrieben. Die häufigsten Ursachen waren Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Beschwerden.
Senkt eine Attestpflicht ab dem ersten Tag den Krankenstand?
Die aktuellen Analysen von IGES und DAK sehen keinen belegten Zusammenhang zwischen dem Krankmeldeverfahren und der Höhe des Krankenstands. Als Treiber gelten die vollständigere Erfassung durch die eAU und das Infektionsgeschehen. Ob die geplante Reform die Fehlzeiten senkt, ist damit offen.
Wie können Unternehmen den Krankenstand senken?
Am wirksamsten über Prävention an den häufigsten Ursachen, also Bewegung, Ergonomie und Angebote für die mentale Gesundheit. Eine Bedarfsanalyse zeigt, wo im Unternehmen die meisten Fehltage entstehen, und hilft, die passenden Maßnahmen auszuwählen.
Fazit
Wie die geplante Reform am Ende ausfällt, entscheidet der Gesetzgeber in den kommenden Monaten. Für Betriebe, die hohe Fehlzeiten senken wollen, ist die Prävention an den häufigsten Krankheitsursachen ein Hebel, der schon heute im eigenen Arbeitsalltag greift und sich unabhängig von der gesetzlichen Regelung umsetzen lässt.
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