Männergesundheit im Betrieb: Wie Unternehmen Männer für Gesundheit und Vorsorge gewinnen
Männergesundheit im Betrieb zu fördern heißt, Gesundheitsangebote so zu gestalten, dass Männer sie tatsächlich nutzen. Laut einer YouGov-Umfrage für Doctolib von 2026 gehen nur 34 Prozent der Männer regelmäßig zur Vorsorge, bei Frauen sind es 49 Prozent. Unternehmen erreichen Männer am besten mit kurzen Formaten direkt am Arbeitsplatz, mit datenbasierten Messungen und konkreter Auswertung sowie mit Führungskräften, die das Thema offen ansprechen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Lebenserwartung bei Geburt lag 2025 in Deutschland bei 79,1 Jahren für Männer und 83,6 Jahren für Frauen (Destatis, Juli 2026).
- Nur 34 Prozent der Männer gehen regelmäßig zur Vorsorge, bei Frauen sind es 49 Prozent (YouGov für Doctolib, Februar 2026).
- Als wichtigste Hürden nennen Befragte Zeitmangel durch Beruf und Familie, Vergesslichkeit und organisatorischen Aufwand bei der Terminvereinbarung.
- Im November stehen gleich drei Anlässe an: der Weltmännertag am 3. November, der Internationale Männertag am 19. November und der Aktionsmonat Movember.
Im November rückt die Gesundheit von Männern jedes Jahr in den Fokus. Für Unternehmen ist das ein guter Anlass, das eigene Gesundheitsmanagement ehrlich zu prüfen. Viele Angebote im Betrieb erreichen vor allem Frauen, während Männer seltener teilnehmen und auch privat seltener zur Vorsorge gehen. Die Lebenserwartung von Männern lag 2025 laut Statistischem Bundesamt um 4,5 Jahre unter der von Frauen. Ein Teil dieses Abstands hängt mit Lebensstil und später Vorsorge zusammen, und genau dort kann betriebliche Gesundheitsförderung ansetzen. Wie Unternehmen die Gesundheit von Frauen gezielt in den Blick nehmen, beschreibt unser Artikel zur Frauengesundheit im Unternehmen.
Männergesundheit im Betrieb: Warum Männer seltener zur Vorsorge gehen
Die meisten Männer wissen, dass Vorsorge wichtig ist. In einer YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib aus dem Februar 2026 stuften insgesamt 84 Prozent der Befragten medizinische Vorsorge als wichtig ein. Regelmäßig hin gehen aber nur 34 Prozent der Männer, während es bei den Frauen 49 Prozent sind.
Die Gründe sind oft ganz praktisch. Die Befragten nannten vor allem Zeitmangel durch Beruf und Familie, Vergesslichkeit und organisatorische Hürden bei der Terminvereinbarung. Für Arbeitgeber ist das ein wichtiger Hinweis, denn zwei dieser drei Hürden hängen direkt mit dem Arbeitsalltag zusammen. Wer lange Schichten arbeitet, im Außendienst unterwegs ist oder Verantwortung im Team trägt, schiebt den Termin in der Hausarztpraxis leicht vor sich her.
Dazu kommt die Art, wie Gesundheitsangebote gestaltet sind. Mehrwöchige Kurse am Abend oder Angebote mit wenig Bezug zur eigenen Arbeit sprechen viele Männer weniger an. Formate, die kurz, konkret und direkt im Betrieb stattfinden, senken die Schwelle deutlich.
Was ist Movember?
Movember ist ein Kunstwort aus dem englischen „Moustache“ für Schnurrbart und „November“. Im Aktionsmonat lassen sich Männer weltweit einen Schnurrbart wachsen, um auf Männergesundheit aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Die Organisation dahinter, die Movember Foundation, konzentriert sich auf psychische Gesundheit und Suizidprävention, Prostatakrebs und Hodenkrebs.
Rund um den Movember gibt es zwei weitere Aktionstage. Der Weltmännertag am 3. November wurde im Jahr 2000 an der Universität Wien ins Leben gerufen und stellt vor allem Vorsorge und die realistische Einschätzung der eigenen Gesundheit in den Mittelpunkt. Der Internationale Männertag am 19. November greift neben Gesundheit auch Themen wie Rollenbilder und Geschlechtergerechtigkeit auf. Damit ist der November der Monat, in dem Männergesundheit die größte Aufmerksamkeit bekommt, und ein naheliegender Anlass für Aktionen im Betrieb.
So erreicht ihr Männer mit Gesundheitsangeboten im Betrieb
Erfolgreiche Angebote für Männer haben einige Gemeinsamkeiten. Sie finden dort statt, wo gearbeitet wird, sie sind kurz und konkret, und sie liefern ein Ergebnis, mit dem man etwas anfangen kann. Die folgenden Ansätze haben sich in der Praxis bewährt.
Gesundheit an den Arbeitsplatz bringen
Je kürzer der Weg, desto höher die Teilnahme. Ein Gesundheitstag direkt im Betrieb erreicht auch Beschäftigte in Produktion, Lager oder Schichtdienst, die zu einem externen Kurs nie gehen würden. Wichtig ist, die Zeiten an die Schichtpläne anzupassen und die Teilnahme während der Arbeitszeit zu ermöglichen. Wie ihr einen solchen Tag plant, zeigt unser Leitfaden zum Gesundheitstag im Unternehmen.
Mit Messungen und konkreter Auswertung einsteigen
Viele Männer interessieren sich für konkrete Werte zu ihrem Körper. Das bestätigt auch die Erfahrung aus zahlreichen Gesundheitstagen:
„Bei männlichen Beschäftigten erleben wir, dass vor allem Zahlen und datenbasierte Angebote gut ankommen, etwa Messungen mit der BIA-Waage, die HRV-Messung mit dem Qiu+ Ball oder ein Wirbelsäulen-Screening“
Eine Körperanalyse liefert in wenigen Minuten ein greifbares Ergebnis, die HRV-Messung gibt Hinweise auf Stress und Erholung, und ein Wirbelsäulen-Screening zeigt, wo Haltung und Rücken entlastet werden können. Welche Messung sich wofür eignet, erklären wir im Vergleich zu Körpermessungen am Gesundheitstag. Eine ärztliche Vorsorgeuntersuchung ersetzen solche Messungen nicht, sie können aber der Anstoß sein, den nächsten Termin in der Hausarztpraxis zu vereinbaren.
„Viele wünschen sich hinterher eine handfeste Auswertung und finden es motivierend, im Nachgang an den Themen zu arbeiten und zu sehen, wo sich ihre Werte verbessert haben.“
Themen aus dem Arbeitsalltag aufgreifen
Rückenschmerzen nach der Schicht, Verspannungen am Schreibtisch oder schlechter Schlaf sind Beschwerden, die viele Männer kennen und offen ansprechen. „Die Angebote, die sich männliche Teilnehmende wünschen, sind häufig etwas performance-orientierter und eher auf die Themen ausgerichtet, die gerade akut im Raum stehen“, beobachtet Paula Menninghaus. Formate wie der SOS-Rückenschmerzen-Workshop, Ergonomie-Workshops oder die Sleep-Smart-Keynote knüpfen genau dort an. Wer über ein konkretes Alltagsproblem einsteigt, erreicht auch Männer, die sich von einem allgemeinen Gesundheitsangebot nicht angesprochen fühlen.
Ernährung für Männer greifbar machen
Ernährung gilt bei vielen Männern als Frauenthema, dabei unterscheiden sich die Essgewohnheiten deutlich, etwa beim Fleischkonsum oder bei der Menge an Obst und Gemüse. Ein Ernährungsvortrag speziell für Männer greift genau diese Gewohnheiten auf und liefert handfeste Tipps für den Arbeitsalltag, von proteinreichem Frühstück bis zu Meal-Prep für Schichtdienst und Außendienst. Entscheidend ist die Ansprache. Wer über Energie für den Job oder Fitbleiben für die Familie spricht, erreicht mehr Männer als mit Verboten und erhobenem Zeigefinger. Am besten funktioniert der Vortrag in der Mittagspause, beim Schichtwechsel oder als Teil eines Gesundheitstages, ergänzt durch Verkostungen oder ein Quiz.
Für gemischte Teams eignet sich der Workshop Ernährung für Mann & Frau. Er zeigt, wie sich Hormone, Stoffwechsel und Nährstoffbedarf zwischen den Geschlechtern unterscheiden, und gibt beiden Gruppen passende Empfehlungen.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen sichtbar machen
Gesundheit funktioniert bei Männern und Frauen in vielen Bereichen unterschiedlich, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über die Schmerztherapie bis zur Stoffwechselgesundheit. Die Gender Medicine Keynote macht diese Unterschiede verständlich. Sie eignet sich besonders für Führungskräfte, HR und BGM-Verantwortliche, die ihr Gesundheitsmanagement so aufstellen möchten, dass es Männer und Frauen gleichermaßen erreicht.
Persönliche Beratung und Austausch in kleinen Runden anbieten
Nicht jedes Thema passt in eine große Gruppe. Nach der Erfahrung von Paula Menninghaus nehmen Männer auch 1:1-Beratungen zu Stress- und Ressourcenmanagement gern an, ebenso einen angeleiteten Erfahrungsaustausch in Kleingruppen. Solche Formate bieten einen geschützten Rahmen, in dem auch Belastungen zur Sprache kommen, über die im Arbeitsalltag selten gesprochen wird.
Aktive Teamformate nutzen
Sportliche und spielerische Formate senken die Hemmschwelle zusätzlich, weil Gesundheit hier nebenbei passiert. Eine Office Olympiade oder das Box-Workout Punch & Lunch verbinden Bewegung mit Teamgeist und schaffen Gesprächsanlässe, aus denen sich weitere Angebote entwickeln lassen. Kurze angeleitete Aktive Pausen bringen Bewegung zudem regelmäßig in den Arbeitsalltag.
Führungskräfte als Vorbilder gewinnen
Ob ein Angebot angenommen wird, hängt stark davon ab, wie Führungskräfte darüber sprechen. Wenn eine Teamleitung selbst an einer Messung teilnimmt oder offen erzählt, dass sie zur Vorsorge geht, wird das Thema normal. Das gilt besonders für psychische Gesundheit, über die viele Männer ungern sprechen. Eine Depression kann sich bei Männern zudem anders zeigen als bei Frauen. Laut einem fachlich geprüften Beitrag der AOK aus dem April 2025 reagieren Männer in einer depressiven Phase häufiger gereizt, wütend oder impulsiv, greifen öfter zu Alkohol, Zigaretten oder Drogen und nehmen eher körperliche Beschwerden wahr als die psychischen. Viele holen sich deshalb erst spät Hilfe. Seriöse Informationen bietet das Männergesundheitsportal des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Führungskräfte, die solche Signale kennen, können früh das Gespräch suchen. Impulse dafür bieten unsere Angebote für Führungskräfte und unsere Keynotes.
Movember im Unternehmen: Ideen für den Aktionsmonat
Der Movember eignet sich gut, um Männergesundheit im Betrieb sichtbar zu machen, ohne dass es nach Pflichtprogramm wirkt.
„Ich würde auf jeden Fall raten, überhaupt ein Angebot zu machen. Männergesundheit in den Fokus zu rücken und auch mentale Belastungen und die Suizidrate unter Männern sichtbar zu machen und zu entstigmatisieren, ist ein wichtiger Schritt und ein starkes Signal als Unternehmen.“
Wer unsicher ist, womit er anfangen soll, kann die Belegschaft einbeziehen.
„Eine Möglichkeit ist, sich einen Überblick über passende Inhalte zu verschaffen und die Belegschaft anonym abstimmen zu lassen, welche Themen am besten ankommen würden. So bekommt man direkt einen Eindruck, wie die Teilnahmequote wäre und welche Inhalte die Belegschaft interessieren.“
Einige weitere Ideen lassen sich mit wenig Aufwand umsetzen. Ein interner Aufruf zum Movember mit Teamfotos und gemeinsamer Spendenaktion schafft Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff. Eine Bewegungs-Challenge über den ganzen November, etwa mit Schritten oder Kilometern pro Team, verbindet den Aktionsmonat mit regelmäßiger Bewegung. Die Movember Foundation bietet dafür eigene Challenges an, bei denen Teams am Arbeitsplatz gegeneinander antreten und Spenden für Männergesundheit sammeln. Ein kurzer Impulsvortrag zu Vorsorge oder Ernährung, zum Beispiel in der Mittagspause, informiert ohne großen Zeitaufwand. Hilfreich ist auch eine einfache Übersicht, welche Vorsorgeuntersuchungen die Krankenkasse in welchem Alter übernimmt, verbunden mit dem Hinweis, dass Termine dafür in Absprache während der Arbeitszeit möglich sind.
Wichtig ist, dass die Aktion nicht mit dem November endet. Der Aktionsmonat kann der Auftakt für ein dauerhaftes Angebot sein, das Männer und Frauen gleichermaßen erreicht.
Ist Männergesundheit im Betrieb förderfähig?
Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung können nach § 20b SGB V von Krankenkassen unterstützt werden, ein Anspruch auf eine bestimmte Förderhöhe besteht nicht. Zusätzlich können Arbeitgeber nach § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro Beschäftigten und Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei für Gesundheitsmaßnahmen einsetzen, wenn diese zusätzlich zum Lohn gewährt werden und die Qualitätskriterien nach §§ 20 und 20b SGB V erfüllen. Welche Wege es im Einzelnen gibt, erklärt unser Überblick zur BGM-Förderung.
Fazit: Männergesundheit braucht passende Angebote
Männer gehen seltener zur Vorsorge und nehmen seltener an Gesundheitsangeboten teil, obwohl die meisten die Bedeutung kennen. Für Unternehmen liegt darin eine Chance, denn viele Hürden wie Zeitmangel und Organisationsaufwand lassen sich im Betrieb gezielt abbauen. Datenbasierte Messungen mit konkreter Auswertung, Themen aus dem Arbeitsalltag, persönliche Beratung und Führungskräfte als Vorbilder erhöhen die Teilnahme spürbar. Der Movember und der Weltmännertag sind ein guter Anlass für den Start, wirksam wird Männergesundheit im Betrieb aber erst durch Angebote, die das ganze Jahr über bestehen.
Häufige Fragen zur Männergesundheit im Betrieb
Was ist Movember?
Movember setzt sich aus „Moustache“ und „November“ zusammen und ist ein weltweiter Aktionsmonat für Männergesundheit. Männer lassen sich im November einen Schnurrbart wachsen, um Aufmerksamkeit zu schaffen und Spenden zu sammeln. Die Movember Foundation konzentriert sich auf psychische Gesundheit und Suizidprävention, Prostatakrebs und Hodenkrebs. Unternehmen nutzen den Monat zunehmend, um Männergesundheit im Betrieb zum Thema zu machen.
Wann ist Weltmännertag?
Der Weltmännertag findet jedes Jahr am 3. November statt und rückt vor allem Vorsorge und die realistische Einschätzung der eigenen Gesundheit in den Mittelpunkt. Davon zu unterscheiden ist der Internationale Männertag am 19. November, der neben Gesundheit auch Rollenbilder und Geschlechtergerechtigkeit thematisiert. Beide Tage fallen in den Movember. Gemeinsam machen sie den November zum Monat der Männergesundheit.
Warum gehen Männer seltener zur Vorsorge?
Laut einer YouGov-Umfrage für Doctolib aus dem Februar 2026 gehen nur 34 Prozent der Männer regelmäßig zur Vorsorge, bei Frauen sind es 49 Prozent. Als Hürden nennen Befragte vor allem Zeitmangel durch Beruf und Familie, Vergesslichkeit und organisatorischen Aufwand bei der Terminvereinbarung. Dazu kommt, dass viele Gesundheitsangebote wenig Bezug zum Arbeitsalltag von Männern haben. Kurze Formate direkt im Betrieb senken diese Hürden.
Welche Gesundheitsangebote kommen bei Männern gut an?
Nach den Erfahrungen von Strong Partners kommen bei Männern vor allem datenbasierte Angebote gut an, etwa Körperanalysen, HRV-Messungen oder ein Wirbelsäulen-Screening mit anschließender Auswertung. Beliebt sind außerdem performance-orientierte Formate, die akute Themen wie Rücken, Schlaf oder Stress aufgreifen. Auch 1:1-Beratungen zu Stress- und Ressourcenmanagement und ein Austausch in Kleingruppen werden gern angenommen. Eine anonyme Abfrage in der Belegschaft zeigt vorab, welche Themen gefragt sind.
Ist Männergesundheit im Betrieb förderfähig?
Betriebliche Gesundheitsförderung kann nach § 20b SGB V von Krankenkassen unterstützt werden, einen Anspruch auf eine bestimmte Förderhöhe gibt es nicht. Arbeitgeber können außerdem nach § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro Beschäftigten und Jahr steuerfrei für zertifizierte Gesundheitsmaßnahmen einsetzen. Die Leistungen müssen zusätzlich zum Lohn gewährt werden. Eine Beratung hilft, die passenden Wege für das eigene Unternehmen zu finden.
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