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07.07.2026

Krankenstand im Sommer 2026: Weniger Krankmeldungen, mehr stille Ausfälle

Der Krankenstand in Deutschland sinkt im Sommer. Der August 2025 war mit 4,9 Prozent der niedrigste Monatswert des Jahres, der Februar mit 7,7 Prozent der höchste. Der Rückgang hat aber eine Kehrseite: Im Sommer entstehen vermehrt stille Ausfälle, also Leistungsverluste ohne Krankmeldung, ausgelöst durch Hitze, Sommergrippe und Präsentismus in unterbesetzten Teams. Diese Ausfälle erfasst keine Fehlzeitenstatistik, sie kosten Unternehmen aber messbar Leistung und Budget. Dieser Beitrag zeigt dir als HR- oder BGM-Verantwortlichem, was hinter den Sommerzahlen steckt und welche Maßnahmen jetzt wirken.

Paula Menninghaus
Paula ist CEO und Co-Founderin von Strong Partners GmbH sowie TEDx-Speakerin mit über 50 Keynotes zu Resilienz, BGM-Strategie und Führung. Ihre Perspektive auf betriebliches Gesundheitsmanagement ist geprägt durch 8 Jahre Einsatzerfahrung als Rettungssanitäterin. Ausgezeichnet mit dem RX Female Award 2024 und dem Women in Business Leadership Award 2025.
Liniendiagramm des Krankenstands über ein Jahr: hoch im Winter, deutlich absinkend im Sommer mit hervorgehobenem „Sommer-Tief". Titel: „Weniger Krankmeldungen, mehr stille Ausfälle".

Was die aktuellen Zahlen zum Krankenstand im Sommer 2026 zeigen

Der Krankenstand folgt in Deutschland einem stabilen saisonalen Muster. Die Höchststände liegen laut der Fehlzeiten-Auswertung der AOK in den Monaten Januar bis März und Oktober bis Dezember, getrieben vor allem durch Atemwegserkrankungen. Der Sommer bleibt die Phase mit den niedrigsten Krankmeldezahlen. Die Techniker Krankenkasse bestätigt in ihrem Gesundheitsreport, dass in den Sommermonaten traditionell mit vergleichsweise niedrigen Krankenständen zu rechnen ist.

Für 2026 gibt es zusätzlich Entspannung bei den Infekten. Das Robert Koch-Institut verzeichnet für den Frühsommer 2026 eine Atemwegsaktivität auf niedrigem, jahreszeitlich üblichem Niveau.

Der eigentlich wichtige Befund für HR steckt aber im Detail: Der Sommer-Krankenstand ist im historischen Vergleich hoch geblieben. Die DAK meldete für das dritte Quartal 2024, dass fast ein Drittel der Erwerbstätigen mindestens einmal krankgeschrieben war, bei neun Prozent mehr Krankschreibungen als im Vorjahres-Sommer. Das sei für ein Sommer-Quartal mit hohen Temperaturen und vielen Ferienwochen ungewöhnlich, so die Kasse. Die meisten Fehltage verursachten Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychische Erkrankungen und Atemwegsinfekte.

Für dich als HR- oder BGM-Verantwortlichen heißt das zweierlei: Der Krankenstand sinkt im Sommer, aber nicht mehr so tief wie vor 2022. Und die Zusammensetzung der Ausfälle verschiebt sich saisonal, weg von der klassischen Erkältung, hin zu Hitze, Kreislauf und verschleppten Beschwerden.

Fünf Gründe, warum Fehlzeiten im Sommer trotzdem Kosten verursachen

1. Hitzebedingter Produktivitätsverlust

Der teuerste Effekt taucht in keiner Fehlzeitenstatistik auf, weil er ein Präsenz-Phänomen ist. Das Umweltbundesamt verweist auf Studien, die für hohe Hitzebelastung Produktivitätsabnahmen von bis zu 12 Prozent annehmen, unter anderem durch nachlassende Konzentration, mehr Fehler und häufigere Arbeitsunfälle. Für die Sommer 2018 und 2019 wurden die direkten Schäden durch hitzebedingte Produktionseinbußen auf rund 5 Milliarden Euro geschätzt.

Wer diese Zahlen auf den eigenen Betrieb herunterrechnet, kommt schnell zu einem klaren Ergebnis: Ein Prozent Leistungsabnahme über zwei Wochen Hochsommer kostet in einem Betrieb mit 100 Beschäftigten bereits einen fünfstelligen Betrag. Rechtliche Grundlagen und konkrete Maßnahmen findest du in unserem Leitfaden zu Hitzeschutz am Arbeitsplatz.

2. Sommergrippe und Klimaanlagen-Infekte

Auch wenn die Zahl der Atemwegsinfekte im Sommer sinkt, verschwinden sie nicht. Enteroviren, Adenoviren und Rhinoviren sind ganzjährig aktiv. Dazu kommen Infekte durch schlecht gewartete oder zu kalt eingestellte Klimaanlagen. Der ständige Wechsel zwischen 32 Grad Außentemperatur und 21 Grad im Büro belastet das Immunsystem stärker, als viele annehmen.

3. Kreislauf, Schlafmangel und Dehydration

Bei Innentemperaturen über 26 Grad steigen Herzfrequenz und subjektive Erschöpfung. Wer nachts bei 24 Grad Schlafzimmertemperatur nicht in die Tiefschlafphasen findet, startet mit einem Schlafdefizit in den Arbeitstag. Dehydration verstärkt Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und Reizbarkeit. Diese Faktoren summieren sich zu einem Leistungsabfall, der lange vor einer möglichen Krankmeldung sichtbar wird.

4. Präsentismus in unterbesetzten Teams

Das ist der HR-Blindspot Nummer eins im Sommer. Wenn zwei von fünf Kolleginnen im Urlaub sind, fühlen sich die drei verbleibenden stärker verpflichtet, auch mit Symptomen zu erscheinen. Das erhöht die Ansteckungsrate im Team und verlängert die Krankheitsdauer der ursprünglich betroffenen Person. Aus einem Tag mit Fieber werden schnell drei Tage Bronchitis. Präsentismus kostet Unternehmen laut internationalen Studien mehr als die klassischen Fehlzeiten.

5. Verschleppte Muskel-Skelett-Beschwerden

Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen ganzjährig zu den größten Fehlzeitentreibern und bleiben es auch im Sommer. In der Ferienzeit verschieben viele Beschäftigte präventive Physiotherapie- oder Rückenkurstermine, weil Urlaub und Reisen anders getaktet sind. Beschwerden, die im Frühjahr noch niederschwellig behandelbar waren, werden so im Herbst zur klassischen Krankschreibung.

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Warum Präsentismus im Sommer teurer ist als Krankmeldungen

Stille Ausfälle sind Leistungsverluste ohne Krankmeldung. Beschäftigte sind anwesend, arbeiten aber durch Hitze, Infekte, Schlafmangel oder Überlastung mit deutlich reduzierter Kapazität. Anders als Fehlzeiten tauchen stille Ausfälle in keiner Krankenstandsstatistik auf. Genau das macht sie für HR so schwer greifbar.

Im Sommer treffen dabei mehrere Faktoren zusammen: eine dünnere Personaldecke durch Urlaube und Sommerinfekte mit milden Symptomen, die viele Menschen für arbeitsfähig halten. Wer mit Halsschmerzen und leichtem Fieber ins Büro geht, arbeitet meist mit halber Leistung, erhöht das Ansteckungsrisiko im Team und verschleppt die eigene Genesung.

Für dich als HR- oder BGM-Verantwortlichen ist die Botschaft klar: Eine niedrige Krankenstandskurve im Sommer heißt nicht, dass keine Ausfälle passieren. Die Ausfälle bleiben im System, nur eben unsichtbar. Wer als Arbeitgeber ein klares Signal setzt, dass Auskurieren erwünscht ist, senkt langfristig die gesamte Ausfallzeit.

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Häufige Fragen zum Krankenstand im Sommer

Was sind stille Ausfälle?

Stille Ausfälle sind Leistungsverluste ohne Krankmeldung. Beschäftigte sind anwesend, arbeiten aber durch Hitze, Infekte, Schlafmangel oder Überlastung mit reduzierter Kapazität. Anders als Fehlzeiten tauchen sie in keiner Krankenstandsstatistik auf und sind deshalb schwer messbar, verursachen aber reale Kosten.

Ist der Krankenstand im Sommer wirklich niedriger?

Ja. Der Krankenstand fällt im Sommer saisonal ab. Der August 2025 lag laut BKK-Auswertung bei 4,9 Prozent, der Februar mit 7,7 Prozent am höchsten. Hauptgrund ist der Rückgang der Atemwegsinfekte. Trotzdem bleiben die Sommer-Krankenstände seit 2022 auf einem höheren Niveau als vor der Pandemie.

Welche Krankheiten sind im Sommer typisch für Fehlzeiten?

Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Erkrankungen dominieren ganzjährig und werden im Sommer nicht weniger. Hinzu kommen Sommergrippe, Kreislaufbeschwerden, Magen-Darm-Infekte, Pollenallergien und hitzebedingte Erschöpfung. Erkältungen durch zu kalt eingestellte Klimaanlagen sind eine unterschätzte Ursache im Büro.

Ab wie viel Grad im Büro dürfen Beschäftigte nach Hause gehen?

Die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 nennt 26 Grad als Wert, ab dem Maßnahmen ergriffen werden sollen. Ab 30 Grad werden wirksame Maßnahmen zur Pflicht, ab 35 Grad gilt der Raum ohne Zusatzmaßnahmen als nicht mehr zum Arbeiten geeignet. Ein automatisches Recht auf Hitzefrei gibt es in Deutschland nicht. Details haben wir im Beitrag zum Hitzeschutz am Arbeitsplatz aufgearbeitet.

Welche BGM-Maßnahmen wirken im Sommer besonders gut?

Sommer-taugliche Formate sind kurze Bewegungseinheiten am Morgen, Outdoor-Yoga, mobile Trinkimpulse, Ernährungs-Workshops mit Fokus auf leichte Kost, Schlaf-Coaching und Achtsamkeitsformate zur Kreislaufregulation. Ein saisonal ausgerichteter Gesundheitstag bündelt mehrere dieser Bausteine an einem Termin.

Fazit für HR und BGM

Der Sommer entlastet die Krankenstandskurve, aber nicht das Gesundheitsbudget. Die Ausfälle werden nicht weniger, sie werden still. Hitzestress, Präsentismus in dünner Personaldecke und verschleppte Beschwerden verursachen Kosten, die in keiner Statistik auftauchen. Wer das erkennt, macht aus der ruhigen Sommerphase eine strategische Zeit für Prävention und geht mit Rückenwind in die Erkältungssaison im Herbst.

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