6 Minuten Lesezeit
23.01.2026

Bewegte Pause im Unternehmen: Wirkung, Beispiele und Tipps für die Umsetzung

Bewegungsmangel im Büroalltag ist eines der häufigsten gesundheitlichen Risiken für Mitarbeitende: Laut der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) sitzen Beschäftigte in Büroberufen durchschnittlich 70 bis 85 Prozent ihrer Arbeitszeit. Bewegte Pausen sind einer der wirksamsten und kostengünstigsten Bausteine im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM), um dieses Risiko aktiv zu reduzieren. Dieser Artikel zeigt, was bewegte Pausen physiologisch bewirken, welche Formate für welche Teams funktionieren und wie die Einführung im Unternehmen gelingt.

Katharina Nottmeier
Katharina ist Marketing & Growth Managerin bei Strong Partners und begleitet Gesundheitsthemen und Events nah am Geschehen. Sie schreibt darüber, wie Unternehmen Gesundheit sichtbar machen und im Alltag verankern können.
MitarbeiterInnen während einer aktiven Pause

Was ist eine bewegte Pause im Unternehmen?

Eine bewegte Pause im Unternehmen ist eine kurze, angeleitete Bewegungseinheit von 10 bis 15 Minuten, die während des Arbeitstags stattfindet – ohne Umziehen, ohne Geräte, direkt am Arbeitsplatz oder in einem Gemeinschaftsraum. Durch Mobilisations-, Kräftigungs- und Atemübungen wird der Kreislauf aktiviert, Verspannungen werden gelöst und neue Denkimpulse angeregt. Als fester Bestandteil des BGM fördert sie Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden nachhaltig.

Was bewegte Pausen physiologisch bewirken

Bewegte Pausen haben einen messbaren positiven Effekt auf Körper und Gehirn. Bereits kurze Einheiten von 10 bis 15 Minuten verbessern zentrale physiologische Prozesse und wirken stressreduzierend – das belegen mehrere sportwissenschaftliche Studien, darunter eine Übersichtsarbeit der Universität British Columbia (2019), die zeigt, dass schon moderate Bewegungseinheiten die kognitive Leistungsfähigkeit und Stimmung kurzfristig messbar verbessern.

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Die wichtigsten körperlichen Effekte im Überblick

  • Herz-Kreislauf-System: Bewegung erhöht zwar kurzfristig die Herzfrequenz, unterstützt langfristig aber die Regulation von Blutdruck und Blutzuckerspiegel.
  • Stressabbau: Aktive Pausen senken den Spiegel von Stresshormonen und unterstützen die natürliche Entspannung des Körpers.
  • Muskulatur und Beweglichkeit: Mobilisation für Nacken, Schultern, Arme und Handgelenke am Arbeitsplatz lösen Verspannungen und reduzieren das Risiko von Muskel-Skelett-Erkrankungen.
  • Atmung: Gezielte Atemübungen während der bewegten Pause beruhigen das Nervensystem, senken den Blutdruck und stärken die Herzgesundheit.
  • Gehirn und Leistungsfähigkeit: Kurze Bewegungspausen fördern die Durchblutung des Gehirns, steigern Kreativität und erleichtern neue Denk- und Lösungsprozesse.
  • Stoffwechsel und Immunsystem : Bewegte Pausen am Arbeitsplatz regen die Verdauung an und fördern regenerative Prozesse im Körper.

Bewegte Pause Übungen: Drei Formate direkt am Arbeitsplatz

Die folgenden drei Übungstypen decken die häufigsten Beschwerden im Büroalltag ab und lassen sich ohne Vorkenntnisse oder Hilfsmittel direkt am Arbeitsplatz durchführen.

Aktive Pause für die Handgelenke

Handgelenke und Unterarme sind bei Büroarbeit dauerhaft belastet – durch Tippen, Mausbewegungen und statisches Halten. Eine zwei- bis dreiminutige Mobilisationseinheit umfasst Kreisbewegungen des Handgelenks in beide Richtungen, sanftes Strecken der Finger sowie das Drehen der Unterarme nach innen und außen. Diese Übungen reduzieren nachweislich das Risiko von Überlastungssyndromen wie dem Karpaltunnelsyndrom (Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie, 2021).

Aktive Pause für die Dehnung der Hüftmuskulatur

Langes Sitzen verkürzt die Hüftbeuger und belastet die Lendenwirbelsäule. Bereits drei Minuten gezieltes Dehnen der Hüftbeuger – etwa im Ausfallschritt oder im Stand mit Rückneigung – entlasten den unteren Rücken spürbar und verbessern die Haltung beim anschließenden Sitzen. Diese Übung eignet sich besonders gut als Einstieg in eine bewegte Pause, weil die Wirkung sofort spürbar ist.

Aktive Pause für das Gleichgewicht

Gleichgewichtsübungen aktivieren die Tiefenmuskulatur entlang der Wirbelsäule und verbessern die Körperwahrnehmung. Schon zwei Minuten Einbeinstand oder koordinative Übungen im Stand erhöhen die neuromuskuläre Aktivität und wecken die Konzentration für den restlichen Arbeitstag. Für Teams, die solche Übungen regelmäßig durchführen, zeigt sich eine messbar geringere Häufigkeit von Gleichgewichts- und Haltungsbeschwerden.

Online, vor Ort oder hybrid: Welches Format passt zu welchem Team?

Ob eine bewegte Pause online oder vor Ort stattfinden sollte, hängt nicht von der physiologischen Wirkung ab – beide Formate erzielen vergleichbare Effekte. Entscheidend sind Arbeitsstruktur, Standorte und die Zusammensetzung des Teams.

Vor Ort: Gemeinschaftserlebnis und Teamdynamik

Bewegte Pausen vor Ort eignen sich, wenn der Großteil der Mitarbeitenden an einem Standort arbeitet und die Aktivität als gemeinsames Erlebnis stattfinden soll. Das Format stärkt den Teamzusammenhalt und ist besonders wirkungsvoll, wenn Führungskräfte aktiv teilnehmen.

Online: Flexibel und standortunabhängig

Online bewegte Pausen eignen sich für Teams mit Remote-Anteilen, mehreren Standorten oder begrenzten Raumkapazitäten vor Ort. Ein Livestream-Format über gängige Videokonferenz-Tools lässt sich ohne technische Investitionen umsetzen und erreicht alle Mitarbeitenden gleichzeitig – unabhängig davon, wo sie arbeiten.

Hybrid: Maximale Reichweite bei gemischten Teams

Hybride bewegte Pausen kombinieren beide Formate: Ein Teil des Teams nimmt vor Ort teil, der andere per Livestream. Das gibt Mitarbeitenden die Freiheit, selbst zu entscheiden, und erhöht die Gesamtreichweite des Angebots. Dieses Format eignet sich besonders für Unternehmen, die sowohl Büro- als auch Homeoffice-Strukturen dauerhaft etabliert haben.

5 Tipps für die Umsetzung von bewegten Pausen im Unternehmen

1. Kurz und planbar starten

Kurze bewegte Pausen von 10-15 Minuten sind ausreichend, um Muskulatur anzuregen, den Kreislauf in Schwung zu bringen, Verspannungen zu lösen und Energie zu tanken. Sie sind gut in den Arbeitsalltag einplanbar und noch besser, wenn sie im regelmäßigen Zyklus stattfinden.

2. Mit niedrigschwelligen Übungen starten

Bewegte Pausen sollten ohne Sportkleidung, Geräte oder Vorkenntnisse umsetzbar sein. Niedrigschwellige Übungen ermöglichen allen Mitarbeitenden eine unkomplizierte Teilnahme.

3. Bewegte Pausen als freiwilliges Angebot gestalten

Freiwilligkeit stärkt die Motivation und erhöht die Teilnahmequote. Gleichzeitig fördert sie die Interaktion innerhalb der bewegten Pausen und wirkt sich positiv auf das Teamgefühl aus.

4. Abwechslung in die bewegten Pausen bringen

Je nach Schwerpunkt kannst du aktive und entspannte bewegte Pausen sinnvoll kombinieren. Ein regelmäßiger Wechsel sorgt für neue Impulse und hält das Angebot langfristig attraktiv.

5. Professionelle Anleitungen und externe Trainer*innen nutzen

Externe TrainerInnen sorgen für eine fachlich korrekte Ausführung der Übungen, eine klare Struktur und eine gleichbleibend hohe Motivation der Teilnehmenden.

Bewegte Pausen und BGM-Förderung

Bewegte Pausen, die von qualifizierten Anbietern durchgeführt werden und dem GKV-Leitfaden Prävention entsprechen, können über gesetzliche Krankenkassen nach §20b SGB V bezuschusst werden – häufig zwischen 150 und 300 Euro pro Teilnehmerin oder Teilnehmer. Zusätzlich greift der steuerliche Freibetrag nach §3 Nr. 34 EStG: Bis zu 600 Euro pro Person und Jahr können steuer- und sozialabgabenfrei für zertifizierte Gesundheitsmaßnahmen eingesetzt werden.

Einen vollständigen Überblick über alle Fördermöglichkeiten bietet unser Artikel zur BGM-Förderung.

Bewegte Pause im Detail: Alle Themen im Überblick

Dieser Artikel gibt euch den vollständigen Überblick. Zu einzelnen Aspekten findet ihr hier vertiefende Inhalte:

Häufige Fragen zur bewegten Pause im Unternehmen

Was ist der Unterschied zwischen einer bewegten Pause und einer normalen Kaffeepause?

Eine normale Kaffeepause ist eine Erholungspause ohne strukturierten Bewegungsanteil. Eine bewegte Pause ist eine angeleitete oder selbst durchgeführte Bewegungseinheit von 10 bis 15 Minuten, die gezielt Verspannungen löst, den Kreislauf aktiviert und kognitive Leistungsfähigkeit wiederherstellt. Beide Pausentypen haben ihre Berechtigung – die bewegte Pause erzielt jedoch messbare zusätzliche Effekte auf Konzentration, Haltung und Stressabbau.

Wie oft sollte eine bewegte Pause im Arbeitsalltag stattfinden?

Sportwissenschaftliche Empfehlungen legen nahe, langes Sitzen spätestens alle 60 bis 90 Minuten durch eine kurze Bewegungseinheit zu unterbrechen. In der Praxis haben sich zwei bis drei angeleitete bewegte Pausen pro Woche als realistischer Einstieg bewährt. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Häufigkeit.

Braucht man für eine bewegte Pause spezielle Ausrüstung oder viel Platz?

Nein. Die bewegte Pause ist darauf ausgelegt, ohne Equipment und ohne Umziehen direkt am Arbeitsplatz oder in einem kleinen Gemeinschaftsraum stattzufinden. Schulterkreisen, Hüftdehnung, Gleichgewichtsübungen und Atemtechniken erfordern lediglich einen freien Stand und sind in jedem Büroumfeld umsetzbar.

Können bewegte Pausen auch online oder für Remote-Teams angeboten werden?

Ja. Online bewegte Pausen sind physiologisch gleichwertig zu Präsenzformaten und haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie ortsunabhängig alle Mitarbeitenden gleichzeitig erreichen – egal ob im Büro, im Homeoffice oder an verschiedenen Standorten. Strong Partners bietet die Online Bewegte Pause als festes Format an, das sich in 15 bis 30 Minuten in den Arbeitsalltag integrieren lässt. Mehr zur Online Bewegten Pause

Wie führt man bewegte Pausen im Unternehmen ein?

Der einfachste Einstieg ist ein externer Anbieter, der die ersten Einheiten moderiert und gleichzeitig zeigt, wie selbstständige Umsetzung aussehen kann. Wichtig ist die Kommunikation im Vorfeld: Mitarbeitende sollten verstehen, dass Bewegungspausen Arbeitszeit sind und nicht als Freizeitangebot missverstanden werden. Eine feste Uhrzeit im Kalender erhöht die Teilnahmequote deutlich.

Können bewegte Pausen durch Krankenkassen gefördert werden?

Zertifizierte Bewegungsangebote können nach §20 SGB V durch gesetzliche Krankenkassen bezuschusst werden, sofern der Anbieter über eine entsprechende Zertifizierung verfügt. Die konkrete Förderhöhe hängt von der jeweiligen Krankenkasse ab. Strong Partners berät im Erstgespräch zur Förderfähigkeit der jeweiligen Maßnahme.

Fazit

Bewegte Pausen sind kein Wellness-Extra, sondern ein evidenzbasierter Baustein im BGM mit messbarer Wirkung auf Gesundheit, Konzentration und Teamdynamik. Entscheidend für den Erfolg sind Regelmäßigkeit, niedrigschwellige Zugänglichkeit und professionelle Begleitung. Ob vor Ort, online oder hybrid – das richtige Format hängt von den Strukturen des jeweiligen Teams ab, nicht von der Wirkung.

Strong Partners konzipiert und begleitet bewegte Pausen passgenau für euer Unternehmen – im Rhythmus, Format und Schwerpunkt, der zu euren Teams passt.

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