Nackenverspannung lösen: Soforthilfe bei Bildschirmarbeit
Nackenverspannungen bei Bildschirmarbeit entstehen aus zwei Ursachen zugleich. Bewegungsmangel durch statische Sitz- oder Stehpositionen und Stress durch Zeitdruck erhöhen gemeinsam den Muskeltonus. Dehnen allein löst sie deshalb nicht. Wirksam ist die Kombination aus Positionswechsel mindestens jede Stunde, Mobilisation und Dehnung, gezieltem Stressmanagement und einer Druckpunkt-Übung mit dem Tennisball an der Wand. Ergonomische Möbel schaffen die Voraussetzung und wirken erst mit der richtigen Nutzung.

Der Griff in den Nacken gegen 15 Uhr gehört im Büro so selbstverständlich dazu wie der dritte Kaffee. Bei unseren Physiochecks in Unternehmen ist die Nackenverspannung die Beschwerde, die wir am häufigsten sehen. Trotzdem wird sie meistens falsch behandelt. Kurz dehnen, weiterarbeiten, am nächsten Tag von vorn. Raoul Lacalandra, Experte für Bewegung bei Strong Partners, erklärt, warum das nicht reicht und was stattdessen hilft.
Warum der Nacken bei Bildschirmarbeit verspannt
Wer die Ursache versteht, behandelt nicht mehr nur das Symptom. Und die Ursache hat zwei Seiten, die im Büro fast immer zusammen auftreten.
Bewegungsmangel und Stress im Zusammenspiel
Die Nacken- und Schultermuskulatur reagiert besonders empfindlich auf Reize. Raoul beschreibt, was er bei Büroarbeitenden in der Praxis sieht:
Raouls Einschätzung: „Nackenverspannungen sind eine der häufigsten Beschwerden, die wir gerade bei Büroarbeitern sehen. Die Ursachen können sehr vielseitig sein. Was wir in der Praxis sehr häufig sehen, ist ein Zusammenspiel aus Bewegungsmangel und Stress, der durch Zeitdruck oder Deadlines hervorgerufen wird."
Die beiden Auslöser wirken unterschiedlich, treffen aber denselben Muskel.
Dass statische Bildschirmarbeit die Beschwerden verstärkt, bestätigt eine Befragung von über 1.000 Beschäftigten mit Bildschirmarbeitsplatz durch die DGUV und die Berufsgenossenschaften BGHM und VBG (Erhebung 2023/2024), die vor allem bei mobiler Arbeit im Homeoffice eine Zunahme von Nackenbeschwerden fand. Weil der Stressanteil dabei oft übersehen wird, hilft ein Blick in unseren Beitrag zu Stressbewältigung mit Achtsamkeit im Berufsalltag. Die Verspannung im Nacken ist häufig das erste körperliche Signal, dass der Kopf zu viel trägt.
Der häufigste Fehler ist reines Dehnen
Auf die Frage nach dem häufigsten Fehler ist Raouls Antwort eindeutig:
„Der größte Irrtum, den viele haben, ist, dass bei Nackenverspannung einzig und allein die Dehnung dagegen hilft. Man muss ganzheitlicher ansetzen und nicht nur das körperliche Signal angehen, sondern vor allem die zugrunde liegende Ursache. Und das ist oft nicht nur die fehlende Bewegung, sondern auch der Stress an sich, also die mentale Ebene, die zu diesem Tonus, der Verspannung in der Muskulatur, führen kann."
Dehnen hilft, bleibt aber nur die halbe Antwort. Wer nach dem Dehnen wieder zwei Stunden unbewegt vor dem Monitor sitzt und die nächste Deadline im Nacken hat, hat den Muskel kurz entlastet und die Ursache nicht berührt.
Nackenverspannung lösen: drei Hebel für den Arbeitstag
Aus Raouls Einsätzen und Physiochecks ergeben sich drei Maßnahmen, die im Büro sofort umsetzbar sind. Sie greifen an unterschiedlichen Stellen an und wirken am besten zusammen.
Bildschirm, Abstand, Positionswechsel
Die ergonomische Grundeinstellung ist schnell gemacht und in vielen Büros trotzdem falsch. Die folgenden Richtwerte orientieren sich an der DGUV Information 215-410 zu Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen.
Der wichtigste Punkt in der Tabelle ist der Wechsel der Arbeitsposition. Raoul bringt es so auf den Punkt:
„Auch die beste ergonomisch eingestellte Position bringt nichts, wenn wir sie acht Stunden über den Arbeitsalltag halten. Die eine Korrektur, die wir immer mitgeben, ist, dynamisch reinzugehen, also immer wieder die Position zu wechseln, egal ob im Sitzen oder im Stehen."
Die aktive Pause, in der jede Stunde alle Bereiche des Körpers einmal durchbewegt werden, ist deshalb der eigentliche Kern der Lösung. Wie sie im Team funktioniert, zeigt unser Beitrag zur Bewegten Pause im Unternehmen.
Die Tennisball-Übung Schritt für Schritt
Wenn Raoul nur eine einzige Übung mitgeben dürfte, wäre es diese:
„Wenn ich eine Übung mitgeben würde, dann die faszienorientierten Druckpunkte mit dem Tennisball: einen Tennisball zwischen Nackenmuskulatur und Wand einklemmen, ein paar Mal drüberrollen und dann gezielt auf den Druckpunkt reingehen. Durch diese Druckpunkte kann man dem Körper nach und nach den Tonus nehmen. Die Schmerzverarbeitung im Gehirn und Regulation von Schutzspannung im Nervensystem wird verbessert.
So geht die Übung am Arbeitsplatz:
- Stell dich mit dem Rücken vor eine freie Wand und klemm einen Tennisball zwischen Wand und die Muskulatur oberhalb des Schulterblatts, seitlich der Wirbelsäule.
- Roll durch leichtes Beugen und Strecken der Knie ein paar Mal langsam über die Muskulatur.
- Bleib an der Stelle stehen, an der du den deutlichsten Druckpunkt spürst, und halte den Druck ruhig, bis das Gefühl spürbar nachlässt.
- Wechsle die Seite. Zwei bis drei Minuten pro Seite reichen.
- Direkt danach die Schultern kreisen und den Kopf sanft zur Seite neigen, damit die gewonnene Beweglichkeit genutzt wird.
Wichtig: NUR auf der Muskulatur und nicht auf der Wirbelsäule arbeiten
Ein Tennisball kostet ein paar Euro und passt in jede Schreibtischschublade. Zusammen mit dem Stressmanagement aus dem ersten Abschnitt ist das die Kombination, die Raoul als wirksam beschreibt. Mobilisation und Dehnung für den Körper, gezielter Umgang mit Stress für den Tonus.
Warum höhenverstellbare Tische allein den Nacken nicht retten
Der Einwand, den wir aus vielen Geschäftsführungen kennen, lautet, für Nacken und Rücken sei doch längst gesorgt, es gebe höhenverstellbare Tische und gute Stühle. Paula Menninghaus, CEO und Co-Founderin von Strong Partners, TEDx-Speakerin und acht Jahre lang Rettungssanitäterin, kennt den Satz und die Realität dahinter:
Paulas Einschätzung: „Nur weil diese Produkte da sind, werden sie noch lange nicht genutzt. Gerade wenn ich einen Tisch granular einstellen kann, ist ein falsch eingestellter höhenverstellbarer Tisch nichts, was der Nackenverspannung positiv entgegensteht. Dementsprechend kann es helfen, immer mal wieder eine kleine Schulung zu geben, damit Mitarbeitende erfahren, was eigentlich die richtige Höhe für ihren Tisch ist."
Ausstattung schafft die Voraussetzung. Ob sie wirkt, entscheidet sich an drei Stellen, die wir über unsere BGM-Angebote mit Unternehmen aufbauen. Das erste ist Wissen, über Workshops und Schulungen zur Ergonomie im Arbeitsalltag, ergänzt um Wissensimpulse und kleine Workbooks, die im Intranet als Datenbank liegen, damit jede und jeder im Zweifel nachschauen kann, was am eigenen Platz richtig ist. Das zweite ist Erinnerung. Paula empfiehlt kleine Challenges, zum Beispiel im Zweierbüro, in dem sich zwei Personen wochenweise abwechselnd an den Wechsel in den Stand erinnern. Das dritte ist regelmäßige Bewegung, die den Wechsel zur Gewohnheit macht, etwa über die Bewegte Pause oder die STRONG OFFICE-BOX aus unseren Strong Products, die den Arbeitsplatz mit Gadgets und Workshops abwechslungsreicher macht.
So stellt ein Unternehmen das passende Setting bereit und sorgt zugleich dafür, dass die Hilfsmittel sinnvoll und regelmäßig genutzt werden. Wir setzen solche Formate mit über 35 Fachkräften für Bewegung, Ernährung und Mental Health um. Zertifizierte Bewegungs- und Ergonomiemaßnahmen können nach § 20 SGB V von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden, in vielen Fällen zu einem erheblichen Anteil. Welche Maßnahmen darüber hinaus gegen Rückenschmerzen wirken, zeigt unser Beitrag zur Ergonomie am Arbeitsplatz.
Fazit
Nackenverspannung im Büro hat zwei Ursachen, Bewegungsmangel und Stress, und deshalb reicht Dehnen allein nicht. Was hilft, ist die Kombination aus Bildschirm auf Augenhöhe, Positionswechsel mindestens jede Stunde, der Tennisball-Übung an der Wand und einem bewussten Umgang mit dem Druck, der die Schultern hochzieht. Höhenverstellbare Tische sind erst der Anfang. Sie wirken, sobald das Team weiß, wie sie eingestellt werden, und daran erinnert wird, sie zu nutzen.
Häufige Fragen zu Nackenverspannungen
Was hilft wirklich gegen Nackenverspannung im Büro?
Die Kombination aus Mobilisation und Dehnung, regelmäßigem Positionswechsel mindestens jede Stunde und gezieltem Stressmanagement. Als Sofortübung eignet sich ein Tennisball, der zwischen Nackenmuskulatur und Wand geklemmt und über die Druckpunkte gerollt wird. Das macht die Muskulatur nachgiebiger und gibt Beweglichkeit zurück.
Reicht Dehnen gegen Nackenverspannungen?
Nein. Dehnen entlastet den Muskel kurz, greift aber die Ursache nicht an. Nackenverspannungen entstehen aus Bewegungsmangel und Stress zusammen. Wer nur dehnt und danach wieder zwei Stunden statisch sitzt, hat am nächsten Tag dasselbe Problem.
Wie stelle ich den Bildschirm richtig ein?
Die Bildschirmoberkante gehört maximal auf Augenhöhe, der Abstand beträgt etwa eine Armlänge. Wichtiger als die perfekte Einstellung ist der Wechsel. Auch die beste Position bringt nichts, wenn sie acht Stunden gehalten wird.
Reichen höhenverstellbare Tische gegen Nacken- und Rückenbeschwerden?
Sie schaffen die Voraussetzung, den Ausschlag gibt die richtige Nutzung. Ein falsch eingestellter höhenverstellbarer Tisch hilft dem Nacken nicht, und ein richtig eingestellter nur, wenn er auch zum Stehen genutzt wird. Es braucht Schulung zur richtigen Einstellung, nachschlagbare Impulse im Intranet und kleine Erinnerungen im Büroalltag.
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