Eine Frau, die in einer Stuhlreihe bei einer Präsentation sitzt und sich meldet ist von hinten zu sehen

BGM am ersten Azubi-Tag: Warum der Ausbildungsstart über Gesundheit und Bindung entscheidet

Paula Menninghaus
Founding Partner & Head of Marketing & Communications
7 Minuten Lesezeit
May 22, 2026
Mental Health

BGM am ersten Azubi-Tag bezeichnet den gezielten Einsatz gesundheitsförderlicher Maßnahmen bereits beim Ausbildungsstart – bevor sich Gewohnheiten, Stressmuster und Einstellungen zur Arbeit verfestigen. Es ist kein eigenständiges Programm, sondern eine Haltung, die sich in konkreten Handlungen ausdrückt: im Ergonomie-Check am ersten Morgen, in der offenen Kommunikation über Pausen und Erreichbarkeit, in der namentlichen Benennung einer Ansprechperson für Gesundheitsfragen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement für Auszubildende ist keine Maßnahme für das dritte Lehrjahr. Es beginnt am ersten Arbeitstag – oder es beginnt zu spät. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) werden in Deutschland rund 26,7 Prozent aller Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst, ein erheblicher Teil davon innerhalb der ersten Probezeit. Ausbilder:innen und HR-Verantwortliche, die diesen Moment gestalten, investieren nicht in Wohlgefühl, sondern in Bindung, Produktivität und Arbeitgeberattraktivität.

Generation Z in der Ausbildung: Was aktuelle Daten über psychische Gesundheit zeigen

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) für Auszubildende umfasst alle systematischen Maßnahmen eines Betriebs, die darauf abzielen, die körperliche und psychische Gesundheit von Azubis zu erhalten und zu fördern. Im Unterschied zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF), die einzelne Aktivitäten beschreibt, ist BGM ein struktureller Rahmen, der Gesundheit als dauerhaftes Führungs- und Organisationsthema verankert.

Der aktuelle DAK-Gesundheitsreport 2025 mit dem Schwerpunkt „Generation Z in der Arbeitswelt" liefert dazu alarmierende Befunde: 18 Prozent der Beschäftigten unter 25 Jahren geben an, unter einer chronischen psychischen Erkrankung zu leiden. Depressive Symptome sind bei unter 30-Jährigen stärker verbreitet als in älteren Beschäftigtengruppen. Psychische Erkrankungen machen bereits rund 14 Prozent der Fehltage bei unter 30-Jährigen aus.

Diese Zahlen betreffen nicht abstrakte Fälle. Sie beschreiben die Azubis, die im August oder September 2026 in Betrieben starten. Betriebe, die Gesundheit erst nach Problemen thematisieren, reagieren – Betriebe, die am ersten Tag damit beginnen, gestalten.

BGM am ersten Ausbildungstag: 10 Impulse für Ausbilder:innen

Wirksames BGM zum Ausbildungsstart braucht keine vollständig ausgebaute BGM-Struktur. Es braucht zehn gezielte Impulse, die Strong Partners aus der BGM-Beratungspraxis in kleinen und mittleren Unternehmen in der Region Münster entwickelt hat. Sie decken drei Dimensionen ab: körperliche Gesundheit, psychisches Wohlbefinden und soziale Integration – alle drei gleichwertig, alle drei am ersten Tag beeinflussbar.

Körperliche Gesundheit: Grundlagen von Tag eins

1. Ergonomie-Check gemeinsam durchführen
Ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz ist keine Selbstverständlichkeit für Azubis, die aus einem schulischen Umfeld kommen. Sitzhöhe, Bildschirmabstand, Beleuchtung: ein gemeinsamer Check am ersten Morgen dauert zehn Minuten und sendet ein klares Signal: Der Körper zählt. Die AOK empfiehlt in ihrer Arbeitgeberbroschüre „Erfolgreich ausbilden" (2025) explizit, ergonomisches Grundwissen bereits am ersten Ausbildungstag zu vermitteln.

2. Pausenkultur sichtbar machen
Azubis wissen oft nicht, wie Pausen im Betrieb tatsächlich gelebt werden. Pausenraum zeigen, Pausenzeiten erklären, vorleben, dass Erholung erlaubt ist. Dieser Schritt kostet keine fünf Minuten und verhindert, dass Azubis Pausen als Schwäche interpretieren.

3. Bewegungsimpuls für den Büroalltag mitgeben
Eine kurze Bewegungsroutine – auch nur drei bis fünf Minuten gegen Mittag – kann am ersten Tag thematisiert werden. Azubis, die früh lernen, aktive Micropausen zu nutzen, entwickeln Gewohnheiten, die ihrer Gesundheit über die gesamte Berufslaufbahn nützen.

Psychisches Wohlbefinden: Vertrauen vor Inhalten

4. Erwartungen und Nervosität aktiv ansprechen
Der erste Ausbildungstag ist emotional aufgeladen. Nervosität zu normalisieren ist keine Kleinigkeit, es ist der Beginn einer Vertrauensbeziehung. Ein kurzes Gespräch über Erwartungen und Befürchtungen gibt Ausbilder:innen gleichzeitig wertvolle Informationen, die später im Onboarding genutzt werden können.

5. Ansprechperson für Gesundheitsfragen namentlich benennen
Azubis sollen wissen, wen sie bei körperlichen oder psychischen Beschwerden ansprechen können – namentlich, nicht abstrakt. Diese Information am ersten Tag zu geben, senkt die Hemmschwelle erheblich. Gerade bei psychischen Themen ist Niedrigschwelligkeit entscheidend: Der DAK-Gesundheitsreport 2025 zeigt, dass mehr als ein Viertel der unter 30-jährigen Beschäftigten in den Wochen vor der Befragung depressive Symptome erlebt hat.

6. Selbstwirksamkeit am ersten Tag ermöglichen
Eine lösbare, garantiert gelingende Aufgabe am ersten Tag schafft ein positives Ersterlebnis. Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, ist ein starker Motivator – besonders für Azubis, die aus einem schulischen Umfeld kommen, in dem Leistung oft bewertet, Handlungsfähigkeit selten erprobt wurde.

7. Erwartungen zu Erreichbarkeit und Arbeitszeiten klar kommunizieren
Wann ist der Azubi erreichbar? Wie geht das Unternehmen mit Überstunden um? Der DGB-Ausbildungsreport 2025, für den zwischen September 2024 und April 2025 insgesamt 9.090 Auszubildende befragt wurden, zeigt: 32,3 Prozent der Azubis leisten regelmäßig Überstunden. Klare Kommunikation am ersten Tag verhindert, dass Azubis falsche Normen verinnerlichen.

Soziale Integration: Bindung vor Abbruch

8. Buddy oder Patin aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr benennen
Ein Patenmodell mit einem erfahreneren Azubi ist eine der wirksamsten Onboarding-Maßnahmen. Die Hemmschwelle für Fragen ist niedrig, der Einblick in den echten Ausbildungsalltag authentisch. Wichtig: Der Pate oder die Patin sollte vor dem ersten Tag gebrieft werden.

9. Orientierung für die ersten vier Wochen schriftlich geben
Ein einseitiger Überblick über die ersten vier Wochen – grob, aber ehrlich – gibt Azubis das Gefühl von Kontrolle. Unklarheit ist ein unterschätzter Stressfaktor in der Orientierungsphase, der messbar zur Abbruchneigung beiträgt.

10. Gemeinsamen Termin ohne Fachbezug in den ersten vier Wochen fixieren
Ein Termin mit sozialem Charakter – gemeinsames Frühstück, Teamevent, externe Veranstaltung – stärkt die emotionale Bindung ans Unternehmen, bevor erste Frustrationen entstehen. Formate mit Gesundheitsbezug lassen sich über §20 SGB V durch gesetzliche Krankenkassen fördern oder vollständig finanzieren.

Alle 10 Impulse als Checkliste für Ausbilder:innen – kostenlos herunterladen

Die zehn Impulse sind der Einstieg. Für die direkte Umsetzung am ersten Ausbildungstag haben wir sie als Checkliste aufbereitet – mit Reflexionsfragen für Ausbilder:innen und konkreten Handlungsempfehlungen, die sich ohne Vorbereitung einsetzen lassen.

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Ausbildungsabbruch verhindern: Warum die ersten Wochen entscheidend sind

Laut BIBB-Berufsbildungsstatistik lag die Vertragslösungsquote in Deutschland zuletzt bei 26,7 Prozent – mit steigender Tendenz in Phasen, in denen Azubis am Ausbildungsmarkt Wahlmöglichkeiten haben. Ein erheblicher Teil dieser Lösungen entsteht in den ersten Monaten, oft innerhalb der Probezeit von bis zu vier Monaten.

Der Zusammenhang zwischen frühem BGM und Ausbildungsbindung ist dabei nicht nur plausibel – er lässt sich über mehrere Wirkungspfade erklären. Azubis, die sich am ersten Tag willkommen, orientiert und ernst genommen fühlen, entwickeln früher eine emotionale Bindung an den Betrieb. Diese Bindung wirkt als Puffer, wenn in den ersten Wochen unvermeidlich Schwierigkeiten auftreten. Betriebe ohne diesen Puffer verlieren Azubis genau dann, wenn die erste Ernüchterung einsetzt.

Gleichzeitig ist der erste Ausbildungstag ein Employer-Branding-Moment, der über das unmittelbare Verhältnis hinaus wirkt. Azubis sprechen in der Berufsschule, im Freundeskreis und in sozialen Netzwerken über ihren Ausbildungsstart. Wer hier als gesundheitsbewusster, strukturierter Betrieb wahrgenommen wird, gewinnt künftig leichter Bewerbungen.

Azubi-BGM in KMU: Gesundheit als Führungsaufgabe

Viele KMU setzen BGM mit teuren Programmen oder einer vollständig ausgebauten Gesundheitsstruktur gleich. Beides ist kein Hindernis: Wirksames BGM zum Ausbildungsstart braucht kein eigenes Budget und keine Vollzeitstelle. Es braucht Vorbereitung, die über Willkommensmappe und IT-Zugänge hinausgeht, und eine Haltung, die Gesundheit als Führungsaufgabe begreift.

Förderung und Ressourcen für Azubi-BGM in kleinen Betrieben

  • Gesetzliche Krankenkassen (§20 SGB V): Maßnahmen mit Qualitätszertifizierung werden von Krankenkassen gefördert oder vollständig finanziert. Strong Partners entwickelt Azubi-Gesundheitstage, zum Beispiel in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse.
  • KOFA / Institut der deutschen Wirtschaft: Kostenfreie Praxisleitfäden für Azubi-Onboarding in KMU.
  • IHK Nord Westfalen: Konkrete Onboarding-Leitfäden und Ausbildungsberatung.
  • BIBB-Datenreport 2025: Aktuelle Forschungsdaten zu Vertragslösungen, Ausbildungsqualität und Präventionsansätzen.

Häufige Fragen zu BGM am ersten Azubi-Tag

Was bedeutet BGM am ersten Azubi-Tag konkret?

BGM am ersten Ausbildungstag umfasst alle Maßnahmen, die Gesundheit als Thema von Anfang an im Ausbildungsverhältnis sichtbar machen. Dazu gehören der gemeinsame Ergonomie-Check, das Benennen von Ansprechpersonen für Gesundheitsfragen, die offene Kommunikation zu Arbeitszeiten und Pausen sowie das psychische Willkommenheißen durch gezielte Gesprächsführung. Keine dieser Maßnahmen erfordert ein Budget – sie erfordern Vorbereitung und Haltung.

Wie kann ein kleiner Betrieb ohne BGM-Struktur gesundheitsfördernd onboarden?

Drei Maßnahmen reichen für einen wirksamen Start: Arbeitsplatz ergonomisch vorbereiten, eine namentliche Ansprechperson für Gesundheitsfragen benennen, eine lösbare Aufgabe am ersten Tag einplanen. Diese Schritte kosten keine Ressourcen, senden aber ein klares Signal an den Azubi – und legen die Grundlage für eine spätere BGM-Struktur.

Warum ist psychische Gesundheit beim Azubi-Start so relevant?

Der DAK-Gesundheitsreport 2025 zeigt, dass 18 Prozent der unter 25-Jährigen Beschäftigten angeben, an chronischen psychischen Erkrankungen zu leiden, und dass depressive Symptome bei unter 30-Jährigen häufiger vorkommen als in älteren Gruppen. Der Übergang von Schule zu Ausbildung ist für viele Jugendliche ein psychisch belastender Bruch. Betriebe, die diesen Moment mit klarer Kommunikation und sozialer Integration abfedern, reduzieren Stresssymptome und Frühfluktuation messbar.

Warum brechen so viele Azubis ihre Ausbildung ab?

Die BIBB-Berufsbildungsstatistik weist eine Vertragslösungsquote von zuletzt 26,7 Prozent aus. Häufige Ursachen sind laut DGB-Ausbildungsreport 2025 ausbildungsfremde Tätigkeiten (14,7 % der Azubis betroffen), finanzielle Belastung (62,8 % können von der Vergütung nicht selbstständig leben) und fehlende Orientierung. Strukturiertes Onboarding mit BGM-Fokus adressiert mehrere dieser Faktoren gleichzeitig.

Können Azubi-Gesundheitsmaßnahmen steuerlich oder durch Krankenkassen gefördert werden?

Maßnahmen nach §20 SGB V werden von gesetzlichen Krankenkassen gefördert, sofern sie zertifizierte Qualitätskriterien erfüllen. Externe Azubi-Gesundheitstage in Kooperation mit Krankenkassen wie der TK sind für Unternehmen oft vollständig kostenfrei. Eine Beratung zur konkreten Fördermöglichkeit bietet Strong Partners auf Anfrage an.

Was unterscheidet BGM von BGF im Ausbildungskontext?

BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) beschreibt Einzelmaßnahmen – Workshops, Kurse, Gesundheitstage. BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) ist der strukturelle Rahmen, der Gesundheit als dauerhaftes Führungs- und Organisationsthema verankert. Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das: BGF-Maßnahmen wirken nachhaltiger, wenn sie in einen BGM-Rahmen eingebettet sind – und dieser Rahmen beginnt am ersten Ausbildungstag.

Fazit

Der erste Azubi-Tag ist kein Verwaltungsakt. Er ist der Beginn einer Beziehung zwischen Betrieb und zukünftiger Fachkraft – und der erste Moment, in dem ein Unternehmen zeigt, was ihm wirklich wichtig ist. Betriebe, die Gesundheit, Orientierung und Wertschätzung von Anfang an sichtbar machen, investieren nicht in Wohlgefühl, sondern in Bindung, Produktivität und Arbeitgeberattraktivität.

Die zehn BGM-Impulse lassen sich an jedem Ausbildungsstandort umsetzen, ohne Vollzeitstelle, ohne externes Budget, aber mit messbarer Wirkung auf Azubi-Bindung und Ausbildungsqualität.

Einen vollständigen Überblick über alle BGM-Maßnahmen für Auszubildende – von Gesundheitstagen über Workshops bis zu lehrjahrbegleitenden Konzepten – bietet unser Leitfaden zu BGM-Maßnahmen für Ausbildungsbetriebe.

Impulse direkt umsetzen - kostenloser Download

Die zehn Impulse sind der Einstieg. Für die direkte Umsetzung am ersten Ausbildungstag haben wir sie als Checkliste aufbereitet – mit Reflexionsfragen für Ausbilder:innen und konkreten Handlungsempfehlungen, die sich ohne Vorbereitung einsetzen lassen.

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Wer den Ausbildungsstart nicht allein gestalten will, kann auf das BGM-Beratungsangebot von Strong Partners zurückgreifen. Von der Konzeption eines gesundheitsförderlichen Onboardings bis zur Umsetzung betriebsübergreifender Azubi-Gesundheitstage oder Teambuilding-Events.

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