
BGM im Industrieunternehmen: Wie AuCom Gesundheitsförderung in Produktion und Büro verankert
Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in Industrieunternehmen bezeichnet die systematische Planung, Umsetzung und Evaluation von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, die sowohl körperliche Belastungen in der Produktion als auch psychische Beanspruchungen in Büro- und Verwaltungsbereichen adressieren. Im Unterschied zu rein dienstleistungsorientierten Branchen müssen Industrieunternehmen dabei Schichtarbeit, heterogene Belegschaften und räumlich getrennte Arbeitsbereiche berücksichtigen. Ein durchdachtes BGM-Konzept verbessert die Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden, reduziert krankheitsbedingte Fehlzeiten und stärkt die Arbeitgeberattraktivität.
Wenn ein Unternehmen innerhalb weniger Jahre stark wächst, verändert sich nicht nur die Organisationsstruktur, sondern auch die Belastungsstruktur der Belegschaft. Mehr Aufgaben, neue Prozesse und veränderte Teamkonstellationen erzeugen Druck, der sich früher oder später in erhöhten Krankenständen und sinkender Arbeitszufriedenheit niederschlägt. Genau in dieser Phase entschied sich AuCom, ein weltweit tätiger Hersteller von Sanftanlassern und Frequenzumrichtern mit rund 180 Mitarbeitenden am Standort Sendenhorst, das Thema BGM strukturiert anzugehen.
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Welche gesundheitlichen Herausforderungen entstehen in Produktions- und Büroumgebungen?
AuCom vereint am deutschen Standort klassische Büroarbeitsplätze mit Produktions- und Lagerhallen. Diese Kombination aus sitzender Wissensarbeit und körperlich beanspruchender Fertigungstätigkeit bringt unterschiedliche, aber gleichermaßen relevante Gesundheitsrisiken mit sich.
In der Produktion stehen Muskel- und Skelett-Erkrankungen im Vordergrund. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sind muskuloskelettale Erkrankungen in Deutschland seit Jahren die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und verursachen jährlich rund 25 Prozent aller Krankheitstage (BAuA, Arbeitswelt im Wandel 2023). Für Produktionsmitarbeitende bei AuCom konkretisierte sich das in wiederkehrenden Rücken- und Muskelverspannungen, die sowohl präventiv als auch bei bereits bestehenden Belastungen Handlungsbedarf erzeugten.
In den Bürobereichen stellt Bewegungsmangel das zentrale Problem dar. Bildschirmarbeit ohne ausreichende Bewegungsunterbrechungen fördert ähnliche muskuläre Dysbalancen, auch wenn die Belastungsart eine andere ist. Hinzu kamen bei AuCom mentale Herausforderungen, die durch das schnelle Unternehmenswachstum entstanden: veränderte Zuständigkeiten, höhere Anforderungen an Selbstorganisation und eine Veränderungsdynamik, die Energie kostet. Diese Gemengelage machte deutlich, dass ein BGM-Ansatz benötigt wurde, der beide Arbeitswelten gleichzeitig im Blick behält.
Wie setzt AuCom betriebliches Gesundheitsmanagement konkret um?
Der Kontakt zu Strong Partners entstand über die Empfehlung einer Krankenkasse, mit der AuCom bereits in einem Förderkontext zusammenarbeitete. Von Beginn an wurde das BGM nicht als einmaliges Event konzipiert, sondern als Einstieg in eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Mitarbeitergesundheit.
Gesundheitstag als erster Ankerpunkt
Zur Einführung des BGM richtete AuCom gemeinsam mit Strong Partners einen Gesundheitstag aus. Das Format ermöglichte es, eine breite Belegschaft niedrigschwellig zu erreichen und verschiedene Gesundheitsthemen erfahrbar zu machen. Besonders positiv nahm die Belegschaft die Angebote zu mentaler Gesundheit, Entspannungstechniken und Ernährung auf. Als kulinarischer Abschluss des Tages sorgte ein Mittagessen von „Gustav Grün" für eine greifbare Verknüpfung von Gesundheitsthema und Alltagserleben. Gesundheitstage dieser Art sind ein etabliertes Format im BGM-Portfolio von Strong Partners und lassen sich thematisch und logistisch an den jeweiligen Unternehmenskontext anpassen.
Rückenfit-Kurs direkt in der Produktionshalle

Auf Initiative der Teamleitungen aus der Produktion entstand ein Rückenfit-Kurs, der bewusst nicht in einem separaten Schulungsraum, sondern direkt in der Produktionshalle durchgeführt wurde. Dieser Ansatz hat zwei Vorteile: Die räumliche Nähe zum Arbeitsplatz senkt die Teilnahmehürde erheblich, und die Übungen können kontextuell auf typische Arbeitshaltungen und Bewegungsabläufe in der Fertigung abgestimmt werden. Der Kurs richtete sich sowohl an präventive Bedarfe als auch an Teilnehmende mit bereits bestehenden Verspannungen, wodurch eine heterogene Gruppe entstand. Präventionskurse im betrieblichen Kontext sind nach § 20 SGB V förderfähig, sofern sie den Anforderungen der Krankenkassen entsprechen.
Die Zusammenarbeit verlief nach Einschätzung von AuCom auf Augenhöhe. Im Originalton aus dem Projekt: „Die Zusammenarbeit mit dem Team von Strong Partners ist unkompliziert, auf Augenhöhe und macht einfach Spaß. Ob in der Planung oder Umsetzung der Gesundheitsaktionen, es entsteht immer das Gefühl, gemeinsam etwas zu gestalten, anstatt nur geschäftliche Projekte abzuwickeln."
Kommunikation als unterschätzter Erfolgsfaktor
Für gewerbliche Mitarbeitende ohne festen Büroarbeitsplatz funktionieren klassische E-Mail-Newsletter oftmals nicht. AuCom nutzte deshalb eine Kombination aus einer WhatsApp-Gruppe, Hallendisplays in der Produktion, Bildschirmen in Bürobereichen und der direkten Kommunikation durch Teamleitungen. Diese Mehrkanalstrategie stellte sicher, dass die BGM-Angebote tatsächlich die gesamte Belegschaft erreichten.
Wie funktioniert die Krankenkassenförderung für BGM-Maßnahmen?
Die gesetzliche Grundlage für die Förderung betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen bildet § 20 SGB V. Krankenkassen sind demnach berechtigt, Leistungen zur Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung zu finanzieren, wenn die Maßnahmen den Qualitätskriterien des GKV-Spitzenverbandes entsprechen (GKV-Leitfaden Prävention). In der Praxis bedeutet das, dass zertifizierte Präventionskurse wie ein Rückenfit-Kurs vollständig oder anteilig durch die Krankenkasse bezuschusst werden können.
Bei AuCom übernahm eine Krankenkasse die Förderabwicklung. Der Prozess verlief nach Aussage des Unternehmens unkompliziert, was in der Praxis häufig an einer sorgfältigen Vorbereitung und der Einbindung eines erfahrenen BGM-Partners liegt, der die formalen Anforderungen kennt. Strong Partners begleitet diesen Prozess als zertifizierter BGM-Strategiepartner und stellt sicher, dass Maßnahmen förderfähig konzipiert werden.
Unternehmen, die BGM einführen möchten, profitieren davon, frühzeitig das Gespräch mit ihrer Krankenkasse zu suchen, da die Förderbedingungen je nach Kasse variieren können.
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Was dieser Use Case für andere Industrieunternehmen zeigt

Das Beispiel AuCom illustriert, dass BGM im Fertigungsunternehmen keine komplexe Infrastruktur voraussetzt. Entscheidend ist die Bereitschaft, die konkreten Belastungen der eigenen Belegschaft zu analysieren und daraus passgenaue Maßnahmen abzuleiten. Ein Format wie der Rückenfit-Kurs in der Produktionshalle wirkt nicht trotz seiner Schlichtheit, sondern wegen ihr, weil Nähe zum Arbeitsalltag die Teilnahmebereitschaft erhöht.
Wachstumsunternehmen im Mittelstand stehen oft vor der Frage, wann der richtige Zeitpunkt für BGM ist. Das AuCom-Beispiel zeigt, dass ein früher Einstieg sinnvoll ist, bevor sich gesundheitliche Belastungen in steigenden Krankenständen niederschlagen. BGM ist in diesem Kontext kein Reaktionsinstrument, sondern ein Beitrag zur organisatorischen Resilienz.
Häufige Fragen zu BGM im Industrieunternehmen
Wie lange dauert die Einführung eines BGM-Programms in einem Industrieunternehmen?
Die Einführungsphase hängt stark von der Unternehmensgröße und dem gewählten Einstiegsformat ab. Ein erster Gesundheitstag lässt sich innerhalb weniger Wochen planen und umsetzen. Ein strukturiertes BGM-Konzept mit regelmäßigen Kursangeboten, Kommunikationsinfrastruktur und Krankenkassenförderung ist typischerweise nach zwei bis drei Monaten operativ.
Welche BGM-Maßnahmen eignen sich speziell für Produktionsmitarbeitende?
Bewegungsangebote wie Rückenfit-Kurse, die direkt in der Produktionshalle stattfinden, haben die höchste Teilnahmequote, weil Wegzeiten und Schwellenängste entfallen. Ergonomieschulungen am Arbeitsplatz und kurze aktive Pausenübungen sind weitere Formate, die sich ohne großen Infrastrukturaufwand in Schichtbetriebe integrieren lassen.
Wie hoch ist die Förderung durch die Krankenkasse für BGM-Maßnahmen?
Nach § 20 SGB V können Krankenkassen zertifizierte Präventionskurse vollständig oder anteilig bezuschussen. Die genaue Förderhöhe variiert je nach Krankenkasse und Kursformat. Voraussetzung ist, dass die Maßnahmen den Qualitätskriterien des GKV-Spitzenverbandes entsprechen und durch einen zertifizierten Anbieter durchgeführt werden.
Was ist der Unterschied zwischen betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) und betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM)?
BGF bezeichnet einzelne, oft projektbezogene Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, beispielsweise einen Gesundheitstag oder einen Kurs. BGM ist der übergeordnete, systematische Rahmen, der Analyse, Planung, Umsetzung und Evaluation dauerhaft verknüpft. BGF ist häufig ein Einstiegspunkt in ein vollständiges BGM-System.
Wie erreicht man Produktionsmitarbeitende ohne E-Mail-Zugang mit BGM-Kommunikation?
Bewährte Kanäle sind Hallendisplays, Bildschirme in Pausenbereichen, WhatsApp-Gruppen sowie die direkte Ansprache durch Teamleitungen. Die Kombination dieser Kanäle stellt sicher, dass Informationen zu Gesundheitsangeboten auch Mitarbeitende ohne festen Büroarbeitsplatz zuverlässig erreichen.
BGM im eigenen Unternehmen einführen
Wer die gesundheitlichen Belastungen seiner Belegschaft kennt und strukturiert gegensteuern möchte, braucht keinen monatelangen Planungsprozess. Ein erstes Gespräch reicht aus, um den sinnvollen Einstieg zu identifizieren.
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